Welcher Fahrradschlauch passt? ETRTO-Größe, Ventiltyp und Felgenbohrung
Der Schlauch ist hinüber, und vor dem Regal beginnt das Rätselraten: 28 Zoll oder 700C, Sclaverand oder Auto, und passt das überhaupt in meine Felge? Dabei ist die Auswahl vollständig bestimmt, sobald Sie zwei Angaben von Ihrem eigenen Rad ablesen – die ETRTO-Zahl auf der Reifenflanke und den verbauten Ventiltyp. Diese Seite zeigt, wo beides steht, warum die Ventilbohrung der Felge die eigentliche Hürde ist und woran die häufigsten Fehlkäufe scheitern.
Die drei Ventiltypen auf einen Blick
Am Fahrrad sind drei Ventilbauarten in Gebrauch. Sie unterscheiden sich im Durchmesser, im Verschlussprinzip und darin, welcher Pumpenkopf passt. Diese Tabelle beantwortet die Frage, welches Ventil vor Ihnen liegt – und was daraus für den Kauf folgt.
| Ventil | Woran Sie es erkennen | Felgenbohrung | Pumpenkopf | Typisch an |
|---|---|---|---|---|
| Sclaverand SV, Presta, französisches Ventil | deutlich schmaler als die anderen beiden; oben eine kleine Rändelmutter, die vor dem Pumpen gelöst und danach wieder zugedreht wird | klein, rund 6,5 mm | SV-Kopf | Rennrad, Gravel, Mountainbike, sportliche Trekkingräder |
| Dunlop DV, Blitzventil | dick; oben eine Überwurfmutter, unter der sich der gesamte Ventileinsatz herausziehen lässt – damit ist der Schlauch in Sekunden leer | groß, rund 8,5 mm | derselbe Kopf wie SV | Hollandrad, klassisches Alltagsrad, viele Kinderräder |
| Schrader AV, Autoventil | dick; innen ein federbelasteter Stift, baugleich mit dem Ventil am Autoreifen – der Druck lässt sich an der Tankstelle prüfen | groß, rund 8,5 mm | AV-Kopf | Mountainbike, City- und Kinderräder, viele E-Bikes und E-Scooter |
Die einfachste Regel: Nehmen Sie den Ventiltyp, der bereits verbaut ist. Er passt garantiert zur Bohrung Ihrer Felge, zu Ihrer Pumpe und zu allen Adaptern, die schon in Ihrer Satteltasche liegen. Ein Wechsel des Ventiltyps ist nur in eine Richtung möglich und lohnt sich fast nie.
Warum die Ventilbohrung die eigentliche Hürde ist
Der Schlauch ist dehnbar und deckt einen ganzen Größenbereich ab – da ist wenig zu verkehren. Das Ventil dagegen muss durch ein Loch mit festem Durchmesser, und dieses Loch ist gebohrt, als das Laufrad gebaut wurde. Es gibt zwei Größen: die kleine für Sclaverand und die große, die sich Dunlop und Schrader teilen.
- Von klein nach groß geht es – mit Einschränkung: Ein Sclaverand-Ventil steckt in der großen Bohrung, hat dort aber Spiel. Es kann wandern und am Bohrungsrand einreißen. Eine Reduzierhülse oder eine passende Unterlegscheibe zentriert das Ventil und löst das Problem sauber.
- Von groß nach klein geht es nicht. Ein Dunlop- oder Schrader-Ventil bekommen Sie nicht durch eine Sclaverand-Bohrung. Hier hilft nur der passende Schlauch.
- Aufbohren ist keine Option. Rund um die Ventilbohrung fehlt Material, und die Kräfte im Felgenbett müssen um das Loch herumlaufen. Genau dort beginnen Ermüdungsrisse. Wer die Bohrung vergrößert, schwächt die höchstbelastete Stelle des Laufrads – bei Aluminium ebenso wie bei Carbon.
- Dunlop und Schrader sind untereinander tauschbar, was die Bohrung angeht. Sie brauchen dann aber den passenden Pumpenkopf: Dunlop wird mit demselben Kopf gepumpt wie Sclaverand, Schrader mit dem AV-Kopf. Standpumpen mit Doppelkopf bedienen alle drei.
- Im Zweifel messen: Ein Messschieber an der leeren Bohrung beantwortet die Frage in fünf Sekunden. Ohne Messschieber genügt der Vergleich mit dem alten Ventil.
Die ETRTO-Zahl lesen – zwei Zahlen, null Zweifel
Auf jeder Reifenflanke steht eine genormte Größenangabe im Format Breite-Durchmesser, zum Beispiel 37-622. Der Reifen ist demnach 37 mm breit und sitzt auf einer Felge mit 622 mm Innendurchmesser. Diese zweite Zahl ist der Sitzdurchmesser, also das Maß, auf dem der Reifenwulst aufliegt – nicht der Außendurchmesser des Rades. Die Angabe geht auf die europäische Reifen- und Felgennorm zurück und ist die einzige eindeutige Größenbezeichnung am Fahrrad.
Schläuche decken Bereiche ab, weil sie sich dehnen. Auf der Verpackung steht dann etwa 28-47/622: Dieser Schlauch eignet sich für alle Reifenbreiten von 28 bis 47 mm auf 622er-Felgen. Ihr Reifenwert muss in diesem Bereich liegen – nicht knapp darunter und nicht knapp darüber.
Beide Grenzen haben einen Grund. Ein zu schmaler Schlauch wird über sein Maß gedehnt, die Wandstärke sinkt, und er wird anfälliger für Durchstiche und für Risse am Ventilfuß. Ein zu breiter Schlauch findet im Reifen keinen Platz, legt sich in Falten, und diese Falten scheuern im Fahrbetrieb aneinander, bis sie undicht sind. Der aufgedruckte Bereich ist deshalb eine Grenze, keine Empfehlung.
Zoll, Zoll-Bruch und 700C – die Umrechnung
Zoll-Angaben sind historisch gewachsen und mehrdeutig: Dieselbe Zahl steht je nach Bauart für verschiedene Felgendurchmesser, und derselbe Felgendurchmesser trägt je nach Radgattung verschiedene Namen. Diese Tabelle ordnet die gängigen Maße zu.
| ETRTO (mm) | Gängige Bezeichnungen | Typisch an |
|---|---|---|
| 622 | 28 Zoll, 700C, 29 Zoll | Trekking, Rennrad, Gravel, 29er-Mountainbike, die meisten E-Trekkingräder |
| 635 | 28 Zoll (28 × 1½) | klassisches Hollandrad, alte Tourenräder – passt nicht auf 622 |
| 630 | 27 Zoll | ältere Sporträder – ebenfalls nicht mit 622 kompatibel |
| 584 | 27,5 Zoll, 650B | Mountainbike, Gravel, viele Kompakt- und E-Bikes |
| 559 | 26 Zoll | ältere Mountainbikes, viele Falt- und Jugendräder |
| 507 | 24 Zoll | Kinder- und Jugendräder, einige Lastenräder |
| 406 | 20 Zoll | Falträder, Kinderräder, viele Lastenräder und Anhänger |
| 355 | 18 Zoll | Kinderräder |
| 349 | 16 Zoll (Faltrad) | bestimmte Falträder – nicht verwechselbar mit 305 |
| 305 | 16 Zoll | Kinderräder, kleine Anhängerräder |
Die beiden 16-Zoll-Zeilen zeigen das Problem in Reinform: 349 und 305 mm heißen beide 16 Zoll und haben doch 44 mm Unterschied im Sitzdurchmesser. Wer nach Zoll bestellt, bestellt hier mit hoher Wahrscheinlichkeit daneben. Oben in der Tabelle wiederholt sich derselbe Effekt in umgekehrter Richtung: 622 und 635 mm tragen beide den Namen 28 Zoll, während die 630 mm dazwischen 27 Zoll heißen – die Zollangabe steigt hier also, während der tatsächliche Durchmesser fällt.
Ventillänge: wann die Standardlänge nicht reicht
- Die Bedingung ist einfach: Das Ventil muss das Felgenbett durchqueren und außen so viel Schaft übrig lassen, dass der Pumpenkopf sicher greift und dichtet. Reicht der Schaft nur eben heraus, rutscht der Kopf beim Pumpen ab oder zieht das Ventil beim Abziehen mit.
- So bestimmen Sie den Bedarf: Felgenhöhe an der Ventilbohrung messen und mindestens einen guten Zentimeter für den Pumpenkopf dazurechnen. Die Ventillänge steht neben dem Größenbereich auf jeder Schlauchverpackung.
- Flache Felgen, wie sie an Trekking-, Stadt- und Kinderrädern üblich sind, kommen mit der Standardlänge aus. Hohe Aero-Profile am Rennrad brauchen spürbar längere Ventile.
- Ventilverlängerungen funktionieren nur an Sclaverand-Ventilen mit herausnehmbarem Ventileinsatz: Einsatz herausschrauben, Verlängerung auf den Schaft setzen, Einsatz oben wieder einsetzen. Sitzt der Einsatz fest, liegt er nach dem Aufschrauben unerreichbar im Schaft, und es geht keine Luft mehr hinein.
- Zu lang ist unkritisch, aber unpraktisch: Ein weit herausstehendes Ventil ist ein Hebel, an dem im Alltag gern etwas hängen bleibt. Eine Ventilkappe schützt die empfindliche Sclaverand-Spitze und hält Schmutz aus dem Schrader-Einsatz.
Schlauchmaterialien und Sonderformen
| Material / Bauart | Stärke | Was Sie dafür in Kauf nehmen |
|---|---|---|
| Butyl (Standard) | robust, gut flickbar, vergleichsweise dicht | nichts Nennenswertes – die unaufgeregte Wahl für den Alltag |
| Dickwandig / pannensicher | hält Dornen und feine Splitter besser ab | deutlich mehr Gewicht, das Rad läuft träger |
| Selbstdichtend (mit Dichtmittel) | verschließt kleine Einstiche im Fahren | später kaum noch flickbar, Dichtmittel hat begrenzte Haltbarkeit |
| Leichtbau (dünnwandig) | weniger Gewicht, leichterer Lauf | empfindlicher gegen Einstiche und gegen Montagefehler |
| Latex | sehr weich, rollt leicht | verliert täglich Luft, mag weder Öl noch die Wärme stark beanspruchter Felgenbremsen |
| TPU | sehr leicht, klein zusammenlegbar | braucht eigene Flicken – Butyl-Flickzeug haftet darauf nicht |
Für Räder, die täglich fahren und im Freien stehen, ist Butyl in der passenden Wandstärke fast immer die richtige Entscheidung. Ein selbstdichtender Schlauch nimmt Ihnen den Platten am Straßenrand ab, kostet Sie aber die Möglichkeit, ihn zu Hause in Ruhe zu flicken – das ist eine bewusste Abwägung, keine reine Verbesserung.
Ventilmutter, Ventilkappe, Ventileinsatz – die Details, an denen es scheitert
- Die Ventilmutter an der Felge gehört nur handfest angezogen, und nach dem Aufpumpen darf sie auch ganz herunter. Ihre einzige Aufgabe ist, das Ventil beim Befüllen des noch schlaffen Schlauchs in Position zu halten.
- Warum das wichtig ist: Wandert der Schlauch im Reifen – etwa bei zu niedrigem Druck, beim harten Anfahren oder Bremsen –, hält eine fest angezogene Mutter das Ventil starr, während der Rest des Schlauchs mitgeht. Der Schaft reißt dann am Übergang ein. Dieser Riss ist nicht flickbar, der Schlauch ist verloren.
- Sclaverand: Rändelmutter nach dem Pumpen wieder zudrehen – handfest, nicht mit der Zange. Bleibt sie offen, entweicht über die Zeit Luft, und die feine Spitze verbiegt beim ersten Anstoßen.
- Dunlop: der Einsatz ist Ihr Freund. Überwurfmutter lösen, Einsatz herausziehen – der Schlauch ist sofort leer, ohne dass Sie an einem Stift drücken müssen. Das ist beim Ausbau der schnellste Weg.
- Schrader: nie mit Gewalt am Stift drücken. Ein verbogener Stift schließt nicht mehr sauber, und der Schlauch verliert dauerhaft Luft, ohne dass ein Loch zu finden ist.
- Kappe drauflassen. Sie kostet nichts und hält Sand aus dem Ventil – der häufigste Grund für ein Ventil, das nach Wochen unerklärlich undicht wird.
Wenn Sie keine Angaben mehr finden
- Auf die Felge schauen. Viele Laufräder tragen die ETRTO-Angabe auf der Felge selbst, oft in der Form 622x19C: erste Zahl der Sitzdurchmesser, zweite die Felgeninnenbreite. Damit ist die entscheidende Zahl geklärt, auch wenn der Reifen längst unleserlich ist.
- Den alten Schlauch lesen. Größenbereich und Ventiltyp sind auf jedem Schlauch aufgedruckt, meist nahe am Ventil. Er ist damit die vollständige Vorlage für den Nachkauf.
- Ins Handbuch oder in die Ersatzteilliste sehen. Bei Kompletträdern steht die Reifengröße in den technischen Daten, bei E-Bikes zusätzlich häufig ein Hinweis auf zugelassene Reifenbreiten.
- Erst dann messen. Der Sitzdurchmesser lässt sich am ausgebauten, reifenlosen Laufrad abgreifen, ist aber fehleranfällig – ein paar Millimeter Abweichung führen zur falschen Norm. Im Zweifel gehen Sie mit dem Laufrad in den Fachhandel.
- Die Ursache gleich mit erledigen. Wer den Schlauch tauscht, prüft im selben Arbeitsgang Mantel und Felgenband – sonst ist der neue Schlauch schnell wieder platt. Die vollständige Vorgehensweise steht unter Platten reparieren.
Schläuche, Ventile und Zubehör – und wo Sie was besser kaufen
Gängige Größen sind überall als Neuware verfügbar; hier zählt allein, dass ETRTO-Bereich und Ventiltyp stimmen. Seltene Maße – alte Laufradgrößen, Kinderräder mit ausgelaufenen Formaten, Anhänger und Rehatechnik – finden sich oft nur noch auf dem Gebraucht- und Restpostenmarkt.
Schläuche und Ventilteile
- Anzeige (Amazon): Fahrradschlauch passend zur ETRTO-Nummer → (Größenbereich und Ventiltyp von der Reifenflanke bzw. vom alten Schlauch übernehmen)
- Anzeige (Amazon): Ventiladapter-Set für alle drei Bauarten → (löst das Pumpenproblem, nicht das Bohrungsproblem)
- Anzeige (Amazon): Ventileinsätze und Einsatzschlüssel →
- Anzeige (eBay): Schläuche in seltenen und ausgelaufenen Größen → (ETRTO-Zahlen angeben, nicht die Zollgröße)
Pumpen und Werkzeug
- Anzeige (Amazon): Standpumpe mit Manometer und Doppelkopf → (bedient alle drei Ventilbauarten)
- Anzeige (Amazon): Minipumpe für unterwegs →
- Anzeige (Amazon): Reifenheber aus Kunststoff → (Metallheber beschädigen Felgenhorn und Schlauch)
- Anzeige (Amazon): Messschieber für Bohrung und Ventilmaß →
Ehrlich bleibt ehrlich: Ein Adapter macht aus einer kleinen Ventilbohrung keine große. Adapter lösen das Pumpenproblem – etwa wenn Sie an einer Tankstelle Luft in ein Sclaverand-Ventil bringen wollen –, nicht das Bohrungsproblem an der Felge. Und ein Schlauch mit porösem oder klebrigem Gummi wird nicht mehr geflickt, sondern ersetzt. Wann sich der Erhalt trotzdem lohnt, ordnet Reparieren oder neu kaufen ein.
Typische Fehler beim Schlauchkauf
- Nur nach Zoll gekauft. Der Klassiker: 28 Zoll bestellt, 635 gebraucht, 622 bekommen. Immer die Millimeterzahl übernehmen.
- Ventiltyp gewechselt, ohne die Bohrung zu prüfen. Der Schlauch liegt dann da und lässt sich nicht montieren – oder er wird mit Gewalt eingebaut und reißt später am Ventilfuß.
- Die Felge aufgebohrt. Der teuerste aller Wege: Ein Laufrad ist danach nicht mehr sicher belastbar.
- Größenbereich am Rand ausgereizt. Ein 18-25/622er Schlauch in einem 47 mm breiten Reifen ist überdehnt, ein 32-47er in einem 23 mm schmalen Reifen liegt in Falten. Beides endet undicht.
- Ventilverlängerung auf ein Ventil ohne herausnehmbaren Einsatz geschraubt – danach kommt keine Luft mehr hinein.
- Ventilmutter bretthart angezogen. Der Riss am Ventilschaft kommt dann Wochen später und wirkt wie ein Materialfehler.
- Selbstdichtenden Schlauch später flicken wollen. Auf der mit Dichtmittel benetzten Innenfläche hält kein Flicken.
- Alten Schlauch weggeworfen, bevor der neue passte. Er ist die zuverlässigste Vorlage – aufheben, bis der Ersatz eingebaut und dicht ist.
Wann der Fachhandel die bessere Adresse ist
Bei allem, was von den gängigen Bereichen abweicht, entscheidet Bestand und Erfahrung, nicht die Suchmaske: Lastenräder mit Sondermaßen, Fahrradanhänger, Rollstühle und Rehatechnik, sehr alte Laufradgrößen und Räder mit ungewöhnlichen Ventilbohrungen. Auch beim Umbau auf ein schlauchloses System ist der Fachbetrieb der richtige Weg, weil Felge und Reifen dafür ausdrücklich freigegeben sein müssen.
Nehmen Sie in diesen Fällen die ETRTO-Zahl oder gleich den alten Schlauch mit. Damit ist die Frage in einer Minute beantwortet – und Sie fahren mit einem Teil nach Hause, das nachweislich passt. Wer die Kennzahlen für andere Gerätearten sucht, findet die Systematik unter Ersatzteil finden: Kennzahlen statt Raten.