Reparieren oder neu kaufen? Der ehrliche Entscheider
Die Frage stellt sich bei jedem Defekt – und sie hat eine bessere Antwort als das Bauchgefühl. Dieser Rechner setzt Reparaturkosten, Gerätealter, typische Lebensdauer und Neupreis ins Verhältnis und sagt Ihnen, was wirtschaftlich und ökologisch vernünftig ist. Die Faustregeln dahinter stehen offen auf dieser Seite – Sie können jede Empfehlung nachrechnen.
Fünf Prüfungen, bevor Sie überhaupt rechnen
Der Rechner weiter unten geht von einer Annahme aus: dass Sie die Reparatur aus eigener Tasche bezahlen. Diese Annahme stimmt öfter nicht, als man denkt. Arbeiten Sie deshalb zuerst diese fünf Punkte ab – jeder einzelne kann die Rechnung auf null bringen, und zusammen kosten sie eine Viertelstunde.
- Gesetzliche Gewährleistung. Innerhalb von zwei Jahren ab Kauf ist der Verkäufer für Mängel zuständig, nicht Sie. Innerhalb des ersten Jahres wird zu Ihren Gunsten vermutet, dass ein auftretender Mangel schon bei Übergabe angelegt war. Suchen Sie den Kaufbeleg heraus, bevor Sie irgendwo anrufen.
- Herstellergarantie. Eine Garantie ist eine freiwillige Zusage mit eigenen Bedingungen und kann deutlich über zwei Jahre laufen – bei Antriebsmotoren, Akkus und Dichtsystemen ist das verbreitet. Prüfen Sie die Garantiekarte oder das Registrierungskonto beim Hersteller.
- Kulanz bei bekannten Serienfehlern. Häuft sich ein Defekt bei einer Baureihe, reagieren viele Hersteller auch nach Fristablauf. Eine kurze Suche nach Modellbezeichnung und Fehlerbild zeigt, ob Sie allein dastehen oder nicht – und genau diese Information ist das Argument in der Kulanzanfrage.
- Rückruf oder Sicherheitshinweis. Für Elektrogeräte, Fahrräder und Fahrzeuge gibt es öffentliche Rückrufregister. Ein laufender Rückruf wird kostenfrei abgearbeitet, unabhängig vom Alter.
- Versicherung. Bei Schäden durch Leitungswasser, Überspannung, Blitzschlag, Sturz oder Fremdverschulden kommen Hausrat-, Elektronik- oder Haftpflichtversicherung in Betracht. Melden Sie den Schaden, bevor Sie reparieren lassen – nachträglich wird es schwierig.
Erst wenn alle fünf Wege ausscheiden, geht es um Ihr Geld. Dann ist der Rechner das richtige Werkzeug.
Der Entscheider
Die Berechnung läuft vollständig in Ihrem Browser – es werden keine Eingaben übertragen oder gespeichert.
Die Faustregeln – offen erklärt
- Die 30-Prozent-Regel: Kostet die Reparatur weniger als rund 30 % des Neupreises, ist sie fast immer die richtige Wahl – so viel Wert steckt selbst in einem Gerät mittleren Alters noch.
- Der Zeitwert-Anteil: Verbleibende Nutzungsdauer geteilt durch typische Lebensdauer, multipliziert mit dem Neupreis – so viel „Nutzen" kauft die Reparatur zurück. Liegen die Kosten darunter, rechnet sie sich.
- Der Nachhaltigkeits-Bonus: Liegt die Reparatur bis zu einem Drittel über dem Zeitwert-Anteil, empfehlen wir sie trotzdem – die Herstellung eines Neugeräts kostet Rohstoffe und Energie, die in keiner Preisrechnung auftauchen.
- Das Lebensdauerende: Hat das Gerät seine typische Lebensdauer erreicht, folgen einem behobenen Defekt oft weitere. Dann lohnt nur noch die kleine Reparatur – oder der reparierbar gewählte Neukauf.
- Die Effizienz-Ausnahme: Bei sehr alten Großgeräten mit hohem Strom- oder Wasserverbrauch darf die Ersparnis eines effizienten Neugeräts ehrlich gegengerechnet werden – hier kann der Austausch auch ökologisch die bessere Wahl sein.
Die Entscheidungsmatrix über alle Gerätegruppen
Der Rechner arbeitet mit Ihren Zahlen. Diese Tabelle arbeitet mit dem, was in der jeweiligen Gerätegruppe erfahrungsgemäß gilt – und sie beantwortet die Frage oft schon, bevor ein Kostenvoranschlag vorliegt. Die letzte Spalte ist die wichtigste: Sie nennt den Irrtum, der in dieser Gruppe am meisten Geld kostet.
| Gerätegruppe | Typische Lebensdauer | Reparieren spricht dafür, wenn | Ersatz liegt nahe, wenn | Der teure Irrtum |
|---|---|---|---|---|
| Waschmaschine, Trockner | 10–15 Jahre | Pumpe, Heizung, Türschloss, Kohlen, Elektronikmodul defekt; Gerät unter zehn Jahre | Trommellager bei über zwölf Jahren, Trommelkreuz gerissen, Laugenbehälter undicht | Ein Fehlercode wird als Defekt gelesen – oft ist nur ein Sieb verstopft oder ein Sensor verschmutzt |
| Geschirrspüler | 10–15 Jahre | Umwälzpumpe, Heizpumpe, Türdichtung, Bedienelektronik; Wasserschaden am Boden ausgeschlossen | Durchgerosteter Boden, defekter Wärmetauscher, mehrfache Undichtigkeiten | Der Klassiker: Verkalkung und verstopfte Sprüharme werden als Pumpenschaden diagnostiziert |
| Kühl-, Gefriergerät | 10–15 Jahre | Thermostat, Lüfter, Abtauheizung, Dichtung defekt | Kältekreislauf undicht oder Verdichter defekt bei hohem Alter – hier greift zusätzlich das Effizienz-Argument | Den Stromverbrauch eines Geräts der ältesten Effizienzklassen zu unterschätzen |
| Backofen, Herd | 12–18 Jahre | Heizelement, Thermostat, Türscharnier, Dichtung, Schalter defekt – meist einfache Teile | Durchgebrannte Steuerplatine bei abgekündigtem Modell ohne Ersatzteil | Ein neues Gerät zu kaufen, obwohl nur ein Heizelement für wenige Euro getauscht werden muss |
| Kaffeevollautomat | 6–10 Jahre | Brühgruppe, Dichtungen, Mahlwerk, Ventile – klassische Wartungsteile | Durchkorrodierter Thermoblock oder Wasserschaden auf der Platine | Entkalkung und Reinigung zu unterlassen und den Folgeschaden für einen Gerätefehler zu halten |
| Staubsauger, Saugroboter | 8–12 Jahre | Motor, Schalter, Kabelaufwicklung, Akku, Bürstenantrieb defekt | Gehäusebruch an tragenden Teilen, Akku beim Saugroboter nicht mehr lieferbar | Nachlassende Saugleistung als Motorschaden zu deuten, obwohl der Filter zugesetzt ist |
| Smartphone, Tablet | 4–7 Jahre | Display, Akku, Ladebuchse, Lautsprecher defekt; Gerät bekommt noch Sicherheitsupdates | Wasserschaden auf der Hauptplatine, oder Updates sind ausgelaufen | Ein funktionierendes Gerät wegen eines Akkus zu ersetzen, dessen Tausch mit weit geringerem Aufwand erledigt ist |
| Notebook, PC | 5–8 Jahre | Datenträger, Speicher, Akku, Lüfter, Tastatur, Netzteil defekt – fast immer wirtschaftlich | Hauptplatine oder Grafikeinheit defekt bei verlöteter Bauweise | Ein System, das nur langsam geworden ist, für defekt zu halten – häufig ist es eine Software- oder Datenträgerfrage |
| Fernseher, Unterhaltungselektronik | 7–12 Jahre | Netzteil, Kondensatoren, Backlight-Treiber, Anschlussplatine defekt | Panel defekt – dort endet die Wirtschaftlichkeit praktisch immer | Anzunehmen, ein schwarzes Bild bedeute Panelschaden; meist ist es das Netzteil |
| Fahrrad, E-Bike | 10 Jahre und mehr | Praktisch immer: Verschleißteile sind genormt, austauschbar und langfristig lieferbar | Rahmenbruch, Rahmenriss oder Korrosion an tragenden Teilen | Verschleiß zu lange laufen zu lassen – eine gelängte Kette frisst Ritzel und Kettenblätter mit |
| Akkuwerkzeug | 8–12 Jahre | Akku, Schalter, Kohlebürsten, Getriebe defekt; Akkusystem noch am Markt | Akkusystem abgekündigt und keine Zellen mehr beschaffbar | Ein intaktes Werkzeug mit dem Akku aufzugeben, statt Zellen oder Ersatzakku zu beschaffen |
| Nähmaschine | 15 Jahre und mehr | Fast immer – mechanische Maschinen sind auf Instandsetzung ausgelegt | Nur bei irreparablem Gehäuse- oder Wellenschaden | Eine verharzte, nur reinigungsbedürftige Maschine für defekt zu halten |
| Möbel, Holzgegenstände | Jahrzehnte | Fast immer – Leimverbindungen, Beschläge und Oberflächen sind erneuerbar | Nur bei durchgehendem Feuchte- oder Schädlingsschaden an der Substanz | Zu glauben, ein wackelnder Stuhl sei am Ende – meist ist es eine gelöste Leimfuge |
| Fahrzeug | 15–20 Jahre | Karosserie und Antrieb gesund, Defekt klar eingegrenzt, Ersatzteillage gesichert | Tragende Teile durchgerostet, mehrere Großbaugruppen gleichzeitig fällig | Symptome tauschen statt die Ursache messen – die häufigste Ursache überhöhter Rechnungen |
Die Spalte zur typischen Lebensdauer ist eine Erfahrungsspanne, keine Zusage. Pflege, Nutzungsintensität und Bauartqualität verschieben sie in beide Richtungen erheblich – ein täglich laufendes Gerät der oberen Bauartklasse überdauert den Durchschnitt oft deutlich.
Die fünf Denkfehler, die diese Entscheidung verzerren
- Das schon ausgegebene Geld. Was Sie für das Gerät bezahlt oder bereits an Reparaturen investiert haben, ist für die heutige Entscheidung ohne Bedeutung. Es fließt nicht zurück, egal wie Sie sich entscheiden. Rechnen Sie ab heute nach vorn, nicht rückwärts.
- Der Vergleich mit dem Prospekt. Ein Neugerät wirkt immer überlegen, weil seine Schwächen noch nicht sichtbar sind und seine Ausfälle noch nicht stattgefunden haben. Der faire Vergleich ist nicht Ihr Gerät gegen das neue Modell im Katalog, sondern Ihr Gerät nach der Reparatur gegen ein neues Gerät nach fünf Jahren.
- Die Zahl vor dem Befund. Wer eine Reparatur ablehnt, bevor jemand nachgesehen hat, entscheidet über ein Fehlerbild statt über eine Ursache. Hinter vielen abschreckenden Schätzungen steckt ein kleiner Defekt – und hinter mancher scheinbaren Kleinigkeit ein Folgeschaden.
- Der pauschale Effizienzvorteil. Er ist real bei sehr alten Großgeräten mit hohem Verbrauch, die täglich laufen – und praktisch bedeutungslos bei allem, was selten oder ohne nennenswerte Leistungsaufnahme arbeitet. Rechnen Sie ihn mit Ihrem Nutzungsprofil, nicht mit dem Normverbrauch aus dem Datenblatt.
- Das Alter als alleiniges Argument. Alter ist ein Hinweis, kein Befund. Entscheidend ist der Abstand zur typischen Lebensdauer der Gerätegruppe und der Zustand jenseits des aktuellen Defekts – ein gepflegtes Zwölfjähriges kann besser dastehen als ein vernachlässigtes Achtjähriges.
Sonderfall Fahrzeug: dieselbe Frage, andere Maßstäbe
Beim Fahrzeug funktioniert die Rechnung im Kern gleich, aber drei Dinge kommen hinzu, die es bei Haushaltsgeräten nicht gibt: ein anerkannter Marktwert, ein Schadensrecht mit eigenen Regeln und eine gesetzliche Prüfpflicht, die über die Nutzbarkeit mitentscheidet. Deshalb hilft hier ein eigener Begriffsapparat – Zeitwert, Wiederbeschaffungswert, Restwert –, den wir auf der Seite zur zeitwertgerechten Reparatur auseinandersortieren.
Die ausführliche Fachdarstellung dazu liegt bei unserer Schwesterseite kfz-dietrich.com, die dieses Thema in Fahrzeugtiefe behandelt. Besonders einschlägig sind dort:
- Zeitwertgerechte Reparatur am Fahrzeug: wann sich die Investition lohnt
- Totalschaden oder Reparatur: wie die Entscheidung zustande kommt
- Lebenszykluskosten: warum intelligente Instandsetzung spart
- Restwert und Wartungsnachweis: was der Zustand am Ende wert ist
Ein Punkt gilt beim Fahrzeug strenger als überall sonst: Bei allem, was Bremsen, Lenkung, tragende Teile oder Sicherheitssysteme betrifft, gibt es keine wirtschaftliche Abwägung. Dort entscheidet der Befund, nicht der Zeitwert.
Wenn die Rechnung für den Ersatz spricht
Dann ist die wichtigste Entscheidung nicht die, ein neues Gerät zu kaufen, sondern eines zu kaufen, das in zehn Jahren noch reparierbar ist. Vier Kriterien lassen sich vor dem Kauf nachprüfen:
- Öffentliche Ersatzteilliste mit Bestellweg. Führt der Hersteller sie, ist das ein starkes Signal. Für mehrere Produktgruppen schreibt das EU-Ökodesignrecht Mindestfristen für die Ersatzteilvorhaltung vor – unter anderem für Haushaltswaschmaschinen, Geschirrspüler und Kühlgeräte.
- Einzeln gelistete Verschleißteile. Dichtungen, Filter, Kohlebürsten, Riemen, Akkus als Einzelposition statt nur als komplette Baugruppe. Dieser Punkt entscheidet später über den Reparaturpreis stärker als jedes andere Merkmal.
- Verfügbare Reparaturanleitung oder Explosionszeichnung. Sie zeigt, ob der Hersteller mit einer Reparatur überhaupt rechnet.
- Verschraubtes statt verklebtes Gehäuse und ein wechselbarer Akku. Bei Smartphones und Tablets weist das Energielabel zusätzlich eine Reparierbarkeitsklasse aus – ein Vergleichswert, den es vorher nicht gab.
Und das alte Gerät? Drei Wege in dieser Rangfolge: weitergeben, wenn es läuft – dann ersetzt es anderswo eine Neuproduktion. Als Ersatzteilspender anbieten, wenn nur eine Baugruppe defekt ist; bei abgekündigten Modellen sind funktionierende Elektronikmodule gesucht, was auf der Seite zur Teilewahl ausführlicher steht. Und erst zuletzt die fachgerechte Entsorgung über die kommunale Sammelstelle oder den rücknahmepflichtigen Händler. Warum diese Reihenfolge mehr bewirkt als jede einzelne Kaufentscheidung, steht unter Reparieren und Nachhaltigkeit.
Von der Entscheidung zum Preis
Fällt die Entscheidung für die Reparatur, folgt die nächste Frage: Was kostet sie, und woran erkennen Sie, dass der Preis stimmt? Der größte Posten ist fast nie das Ersatzteil, sondern die Arbeitszeit – und die hängt daran, wie tief das defekte Bauteil verbaut ist. Woraus sich eine Reparaturrechnung zusammensetzt, was in einen Kostenvoranschlag gehört und welche Rechte Sie beim Auftrag haben, steht auf der Seite Was kostet eine Reparatur. Ob Sie dabei Neuteile, aufbereitete Austauschteile oder Gebrauchtteile verbauen lassen, entscheidet über einen erheblichen Teil der Summe – dazu zeitwertgerechte Reparatur. Und wenn das nötige Teil gar nicht mehr lieferbar ist: Teile nachfertigen.
Was der Rechner nicht wissen kann
Drei Dinge entscheiden Sie besser als jede Formel: den Zustand jenseits des Defekts (ein gepflegtes Qualitätsgerät rechtfertigt mehr als der Durchschnitt), den ideellen Wert (die geerbte Nähmaschine rechnet sich nicht in Euro) und die Ersatzteillage – ist das nötige Teil abgekündigt, hilft unser Bereich Teile nachfertigen oder die zeitwertgerechte Teilewahl mit Gebraucht- und Überholteilen. Und bei allem, was Sicherheit betrifft – Gas, Bremsen, tragende Teile –, entscheidet nicht der Preis, sondern der Fachbetrieb.
Ein vierter Punkt kommt hinzu, sobald das Ergebnis auf Ersatz hinausläuft: Die Kaufentscheidung gehört an den Schreibtisch, nicht in eine Verkaufssituation unter Zeitdruck. Wie ein Vorführbesuch in der eigenen Wohnung aufgebaut ist, welche Frist für einen dort geschlossenen Vertrag gilt und nach welchen Kriterien man stattdessen selbst auswählt, steht unter Haustürgeschäft widerrufen und selbst besser kaufen.