Welche Saiten gehören auf welche Gitarre?

Diese Tabelle beantwortet die Frage, an der beim Saitenkauf am häufigsten etwas schiefgeht. Der falsche Saitentyp ist der einzige Fehler auf dieser Seite, der ein Instrument dauerhaft beschädigen kann.

InstrumentSaitentypBefestigung am StegBesonderheit beim Wechsel
Konzert-/KlassikgitarreNylon, Bass-Saiten umsponnenam Steg verknotetniemals Stahlsaiten; Knoten sauber legen, sonst rutscht er
WesterngitarreStahl, bronzeumsponnenKugelende unter StegpinPins vorsichtig hebeln, nicht mit der Zange ziehen
E-Gitarre, festes StegteilNickel oder Stahldurch Steg oder Korpus gefädeltunkompliziert, Saitenführung beachten
E-Gitarre, schwebendes TremoloNickel oder Stahlim Tremoloblockeinzeln wechseln, sonst kippt die Federbalance
Westerngitarre mit TonabnehmerStahl, bronzeumsponnenStegpin über SensorleistePin nicht überdrücken, Sensor liegt darunter
Akustikbass, E-Basseigene Bass-Saitensätzedurch Korpus oder BrückeMensurlänge des Satzes prüfen, sonst passt der Wickel nicht
UkuleleNylon oder Fluorcarbonverknotet oder mit KnopfNylon dehnt lange – mehrfach nachstimmen

Sicherheit und Vorbereitung

Schritt 1: Die richtigen Saiten und das Werkzeug

  1. Saitentyp nach Instrument wählen. Konzertgitarre bedeutet Nylon, Westerngitarre Stahl, E-Gitarre Nickel oder Stahl. Diese Regel hat keine Ausnahme.
  2. Gleiche Stärke wie bisher. Die Saitenstärke bestimmt die Zugkraft auf den Hals. Wer sie ändert, ändert die Halsbelastung, und dann gehört ein Setup dazu.
  3. Mensurlänge beachten, vor allem bei Bässen und bei umsponnenen Saiten, die durch den Korpus geführt werden: Ist die Umwicklung zu lang, liegt sie im Sattel auf und die Saite klingt tot.
  4. Werkzeug bereitlegen: Saitenkurbel, ein Saitenschneider, der auch Stahl sauber trennt, ein weiches Tuch und eine Unterlage für den Hals. Ein Clip-Stimmgerät nimmt Ihnen das spätere Nachstimmen ab.
  5. Vorgehen entscheiden: einzeln wechseln, wenn es schnell gehen soll und die Stimmung stabil bleiben soll; alle abnehmen, wenn Sie das Griffbrett reinigen möchten.

Saiten und Werkzeug

Schritt 2: Alte Saiten entspannen und abnehmen

Jede Saite über die Mechanik vollständig entspannen, bis sie hörbar lose ist – erst dann abzwicken oder aushängen. Danach unterscheidet sich das Vorgehen je nach Bauart:

Schritt 3: Griffbrett reinigen und bei Bedarf pflegen

Sind alle Saiten ab, haben Sie freien Zugang – die einzige Gelegenheit im Jahr, an der das ohne Aufwand geht.

Pflegemittel

Schritt 4: Neue Saiten aufziehen

  1. Am Steg befestigen. Bei der Westerngitarre die Kugel einführen, den Pin einsetzen und die Saite von der Kopfplatte her leicht anziehen, bis die Kugel spürbar unter der Stegplatte anliegt – erst dann den Pin sanft nachdrücken. Bei der Konzertgitarre den Knoten so legen, dass das kurze Ende hinter der Stegkante klemmt.
  2. Länge abmessen. Die Saite bis zur Mechanik führen und dann etwa zwei bis drei Fingerbreit Überlänge zugeben. Das ergibt genügend Material für die Wicklungen, ohne einen Berg aufzubauen.
  3. Knick setzen. Die Saite durch das Loch im Wickelposten führen und einmal um den Posten legen, sodass sie sich selbst klemmt. Ein sauber gesetzter Knick verhindert das Durchrutschen zuverlässiger als drei zusätzliche Wicklungen.
  4. Von oben nach unten wickeln. Zwei bis drei Wicklungen bei umsponnenen, drei bis vier bei dünnen Saiten – die Wicklungen laufen zum Kopfplattenholz hin. Das ergibt einen guten Knickwinkel am Sattel und damit Stimmstabilität.
  5. Mit Spannung führen. Die Saite beim Aufwickeln mit der freien Hand unter leichtem Zug halten. So liegen die Wicklungen straff übereinander statt als loses Knäuel – das ist die Grundlage jeder Stimmstabilität.
  6. Sattelkerbe prüfen. Die Saite muss sauber in ihrer Kerbe liegen und darf nicht darauf aufliegen oder darin klemmen. Ein Knacken beim Stimmen kommt fast immer aus einer zu engen Kerbe.
  7. Enden erst nach dem Stimmen abzwicken und knapp am Wickelposten kürzen. Wer sie stehen lässt, sticht sich beim nächsten Griff daran.

Schritt 5: Dehnen und stimmen

Auf Tonhöhe stimmen, dann jede Saite über dem Griffbrett mehrfach vorsichtig anheben und dehnen, nachstimmen – so lange wiederholen, bis die Stimmung stehen bleibt. Meist sind drei bis vier Durchgänge nötig.

Typische Fehler beim Saitenwechsel

Abbruchkriterien: wo der Wechsel zur Einstellarbeit wird

Was der Gitarrenbauer anders macht

Ein Gitarrenbauer wechselt Saiten nicht anders als Sie – der Unterschied liegt in dem, was danach kommt. Erstens misst er statt zu schätzen: Halskrümmung, Saitenlage am zwölften Bund und Sattelkerbentiefe werden mit Fühlerlehren und Messhilfen gegen Sollwerte gehalten, sodass eine Einstellung reproduzierbar ist. Zweitens hat er die Feilen und Lehren für Sattel und Stegeinlage, mit denen sich Kerben in der richtigen Breite, Tiefe und mit dem richtigen Winkel anlegen lassen – von Hand mit ungeeignetem Werkzeug wird daraus schnell ein Ersatzteil. Drittens erkennt er an der Substanz des Instruments, was sich einstellen lässt und was ein aufziehender Schaden ist: eine sich hebende Decke, ein wandernder Steg, ein Halsfuß, der arbeitet.

Umgekehrt gilt: Der Saitenwechsel selbst und die Griffbrettpflege sind ausdrücklich Anwenderarbeit, und wer sie regelmäßig macht, bemerkt beginnende Veränderungen früh genug, um sie mit geringem Aufwand beheben zu lassen.

Wann der Gitarrenbauer übernehmen sollte

Schnarrende Bünde, eine spürbar zu hohe oder zu tiefe Saitenlage und unsaubere Oktavreinheit sind Einstellarbeit: Halsstab, Stegreiter und Sattel greifen ineinander, und besonders am Halsstab gilt, ohne Erfahrung nicht zu drehen – falsche Umdrehungen können den Hals dauerhaft schädigen. Ein Setup ist beim Gitarrenbauer Routinearbeit und verändert auch einfache Instrumente spürbar.

Ein Wort zu wertvollen Instrumenten: Bei alten oder besonders hochwertigen Gitarren gilt derselbe Grundsatz wie bei jedem gewachsenen Stück – ein unsachgemäßer Eingriff vernichtet Wert, den keine spätere Arbeit zurückholt. Nachgearbeitete Sättel, geschliffene Bünde ohne Not, überlackierte Stellen und ausgerissene Stegpin-Löcher sind an gebrauchten Instrumenten sofort sichtbar und drücken den Wert dauerhaft. Im Zweifel lieber eine Stunde Fachhand bezahlen als eine Substanz beschädigen, die Jahrzehnte gebraucht hat.

Für Mechaniken, Stegpins und Kleinteile abgekündigter Modelle sind gebrauchte Instrumente und Teilehändler eine gute Quelle. Ob sich eine größere Instandsetzung lohnt, entscheidet sich an denselben Kriterien wie sonst – siehe Reparieren oder neu kaufen und Zeitwertgerechte Reparatur.

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