Welcher Kleber wofür? Die ehrliche Kaufberatung
Kaum eine Reparatur kommt ohne Kleben aus – und kaum ein Regal ist unübersichtlicher als das Kleberregal. Die entscheidende Erkenntnis vorweg: Über Halten oder Versagen entscheidet nicht die Marke auf der Tube, sondern die Paarung aus Werkstoff, Spaltmaß und Belastung. Diese Kaufberatung liefert die Tabelle dazu, ordnet die Klebstofftypen mit ihren Grenzen ein, nennt nüchterne Preisspannen und sagt auch, wann Kleben die falsche Antwort ist.
Die vier Fragen vor jedem Kleberkauf
Wer diese vier Fragen beantwortet, steht nicht mehr ratlos vor dem Regal – die Antworten führen direkt in die Materialtabelle des nächsten Abschnitts.
- 1. Welcher Werkstoff, und zwar beide? Eine Klebung hat immer zwei Fügepartner. Holz auf Holz ist eine andere Aufgabe als Holz auf Metall. Die Sonderfrage lautet: Ist einer der beiden Polypropylen oder Polyethylen?
- 2. Welche Belastung wirkt? Klebefugen sind stark auf Scherung und Zug in der Fläche, schwach auf Schälen und Biegen. Ein Griff, an dem gezogen wird, ist eine andere Aufgabe als eine Zierleiste, die nur an Ort und Stelle bleiben soll.
- 3. Wie groß ist der Spalt? Legen Sie die Bruchstücke trocken zusammen und halten Sie sie gegen das Licht. Sehen Sie Licht durch die Fuge, brauchen Sie einen spaltfüllenden Klebstoff.
- 4. Welche Umgebung hält die Fuge aus? Wärme, UV-Licht, Feuchtigkeit, Reinigungsmittel und Lebensmittelkontakt schließen jeweils bestimmte Klebstofftypen aus. Eine Fuge an der Backofentür stellt völlig andere Anforderungen als eine im Bücherregal.
Die Materialtabelle: Werkstoff gegen Klebstofftyp
Das ist der Kern dieser Kaufberatung. Suchen Sie Ihren Werkstoff, lesen Sie den passenden Klebstofftyp ab – und beachten Sie die Spalte mit der Einschränkung, denn dort steht, woran die Klebung typischerweise scheitert.
| Werkstoff | Erste Wahl | Alternative | Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Holz auf Holz (Möbel) | Holzleim D3 (PVAC) | PU-Kleber bei Fehlstellen | Pressdruck ist Pflicht, Altleim muss restlos weg |
| Hartkunststoff: ABS, PS, PC, PVC | Sekundenkleber-Gel | 2K-Epoxid bei Spalt oder Last | Lösemittelkleber greift PS und PC an, es entstehen Risse |
| PP und PE (Ziffer 02, 04, 05) | CA-Set mit Primer-Stift | Kunststoffschweißen | Ohne Primer haftet nichts – kein Produkt umgeht das |
| Metall auf Metall | 2K-Epoxid | MS-Polymer bei Bewegung | Blank schleifen und entfetten, sonst klebt man auf Oxid |
| Metall auf Kunststoff | 2K-Epoxid | MS-Polymer | Unterschiedliche Wärmedehnung braucht eine elastische Fuge |
| Gummi und Elastomere | Kontaktkleber | Cyanacrylat für Gummi | Gummi altert – auf porösem Material hält keine Klebung |
| Schuhsohle (PU, TR, Leder) | PU-Schuhkleber | Kontaktkleber | Ablüftzeit einhalten, dann kräftig pressen |
| Textil und Leder | Textil- und Lederkleber | Nähen | Waschbarkeit prüfen, eine Naht hält meist länger |
| Glas und Keramik (Deko) | Sekundenkleber | 2K-Epoxid transparent | Nicht spülmaschinenfest, nicht für Trinkgefäße |
| Porzellan und Steingut | 2K-Epoxid | Sekundenkleber bei Nullspalt | Fuge bleibt sichtbar, kein Lebensmittelkontakt |
| Stein, Beton, Fliese | MS-Polymer | 2K-Epoxid | Untergrund muss trocken und staubfrei sein |
| Styropor und EPS | Lösemittelfreier Montagekleber | MS-Polymer | Lösemittelhaltige Kleber lösen Styropor auf |
| Silikon auf Silikon | Neues Silikon | – | Auf Silikon haftet außer Silikon praktisch nichts |
| PTFE (Teflon) | Mechanische Verbindung | – | Antihaft-Oberfläche, Kleben ist hier chancenlos |
Passend zur Vorbereitung
Die Vorbereitung entscheidet über die Klebung. Diese drei Positionen gehören in jede Werkbank-Schublade.
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Die Kriterien, die wirklich entscheiden – und woran Sie sie erkennen
Auf der Verpackung stehen viele Zahlen. Nur wenige davon beeinflussen, ob Ihre Reparatur hält. Diese hier tun es, und in der rechten Spalte steht, wo Sie die Angabe am Produkt finden.
| Eigenschaft | Warum sie entscheidet | Woran Sie sie erkennen |
|---|---|---|
| Spaltfüllung | Bestimmt, ob unebene Bruchflächen überhaupt tragen | Angabe in Millimetern auf der Rückseite; dickflüssige und pastöse Produkte füllen mehr |
| Topfzeit | Ihr Arbeitsfenster nach dem Anmischen – ist es abgelaufen, härtet der Rest ohne Festigkeit aus | Beim 2K-Kleber im Produktnamen: 5-Minuten-Epoxid, 90-Minuten-Epoxid |
| Endfestigkeit und ihre Dauer | Vor Erreichen der Endfestigkeit belastet, versagt die Fuge dauerhaft | Zwei getrennte Zeitangaben: handfest nach und belastbar nach |
| Elastizität der Fuge | Starre Fugen brechen bei Vibration, elastische halten | Shore-Härte oder das Wort dauerelastisch; MS-Polymer und PU sind elastisch, Epoxid und Cyanacrylat sind hart |
| Temperaturbeständigkeit | Entscheidet über Einsatz an Geräten, im Fahrzeug, in der Sonne | Bereichsangabe in Grad; Heißkleber endet meist unter 80 Grad, Epoxid liegt bei 80 bis 120 Grad |
| Feuchte- und Chemikalienbeständigkeit | Bad, Küche, Außenbereich und Spülgang zerlegen die falsche Fuge | Holzleim: D2 bis D4; sonst Hinweise wie wasserfest oder witterungsbeständig |
| Lösemittelgehalt | Bestimmt Materialverträglichkeit und Lüftungsbedarf | Gefahrensymbole und der Hinweis lösemittelfrei; für Styropor und Polystyrol zwingend lösemittelfrei |
| Aushärtemechanismus | Bestimmt, was die Fuge zum Aushärten braucht | Cyanacrylat braucht Luftfeuchte, PU braucht Feuchtigkeit im Material, 2K härtet auch im Luftabschluss |
| Lebensmitteleignung | Nur ausdrücklich zugelassene Produkte dürfen Kontakt haben | Ein klarer Hinweis auf der Verpackung – fehlt er, gibt es die Eignung nicht |
| Gebindegröße und Applikator | Angebrochene Großgebinde härten aus, bevor sie verbraucht sind | Kleine Tuben und Doppelspritzen mit Mischdüse für den Haushalt, Kartuschen erst bei laufendem Bedarf |
Was auf der Packung steht und wenig aussagt: Angaben wie hält 300 Kilogramm beziehen sich auf eine Laborklebung mit definierter Fläche unter reiner Scherbelastung. Ihre reale Bruchstelle hat weder diese Fläche noch diese Lastrichtung. Nehmen Sie solche Zahlen als Hinweis auf die Produktklasse, nicht als Versprechen für Ihr Bauteil.
Die Klebstofftypen im Einzelnen
Sekundenkleber (Cyanacrylat)
Stärke: Kleine, passgenaue, saubere Bruchflächen – in Sekunden fest. Ideal für Keramikfiguren, Brillenbügel, kleine Hartplastikteile, Gummi und feine Splitter. Die Gel-Variante läuft nicht weg und ist an senkrechten Flächen die praktikablere Wahl. Grenzen: Die Fuge ist hart und spröde, also nichts für Dauerbelastung, Biegung oder Vibration; sie füllt keinen Spalt; auf PP, PE, Silikon und PTFE haftet sie nicht; unter UV-Licht und in Nässe altert sie. Preisspanne: 3 bis 6 Euro für die 3- bis 5-Gramm-Tube, 8 bis 15 Euro für ein Set mit Aktivator, 10 bis 20 Euro für eine 20-Gramm-Flasche mit Dosiernadeln.
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2K-Epoxid – der Lastenträger
Stärke: Hochfest, spaltfüllend, beständig gegen Wasser und viele Chemikalien – die Wahl für gebrochene Halterungen, Gehäuseecken, Metallteile und alles, was danach wieder Kraft aufnehmen muss. Weil es im Luftabschluss aushärtet, funktioniert es auch dort, wo Luftfeuchte nicht hinkommt. Grenzen: Es braucht exaktes Anmischen im angegebenen Verhältnis und Zeit; die Topfzeit ist verbindlich, angemischter Rest danach gehört entsorgt statt verstrichen. Die ausgehärtete Fuge ist starr, an vibrierenden Teilen ist ein elastischer Kleber die bessere Wahl. Die Härterkomponente kann die Haut sensibilisieren. Preisspanne: 6 bis 12 Euro für die 24-Milliliter-Doppelspritze, 12 bis 25 Euro für eine 50-Milliliter-Kartusche mit Mischdüsen.
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PU- und Kontaktkleber – die Flexiblen
Stärke: Dauerelastisch – für Schuhsohlen, Gummi, Textil auf Gummi und alle Verbindungen, die sich im Gebrauch bewegen. PU-Kleber härtet mit der Feuchtigkeit des Werkstoffs aus und schäumt dabei leicht auf, was kleine Fehlstellen füllt. Anwendung: Beidseitig dünn auftragen, die Ablüftzeit nach Herstellerangabe abwarten, dann kräftig und flächig pressen – die Presskraft in diesem Moment bestimmt die Festigkeit, nicht die Klebermenge. Grenzen: Kontaktkleber sind meist lösemittelhaltig, also nur bei guter Lüftung verarbeiten, und sie greifen Styropor an. Aufschäumender PU-Kleber braucht Zwingen, sonst drückt er die Teile auseinander. Preisspanne: 6 bis 12 Euro je Tube. Die komplette Technik zeigt unser Guide Schuhsohle kleben.
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MS-Polymer – Kleber und Dichtstoff in einem
Stärke: Silanmodifizierte Polymere kleben und dichten zugleich, bleiben dauerelastisch, sind überstreichbar, lösemittel- und isocyanatfrei und haften auf feuchten sowie auf vielen unvorbehandelten Untergründen. Sie sind die richtige Antwort überall dort, wo zwei Werkstoffe mit unterschiedlicher Wärmedehnung verbunden werden oder wo eine Fuge Bewegung mitmachen muss – Metall auf Kunststoff, Leisten, Fensterbänke, Bootsbau, Fahrzeugaufbauten. Grenzen: Nicht die höchste Zugfestigkeit und damit keine Alternative zu 2K-Epoxid an hoch belasteten Klebefugen; im dauerhaft nassen Sanitärbereich bleibt Sanitärsilikon mit Fungizid die passendere Wahl. Eine angebrochene Kartusche hält nicht ewig. Preisspanne: 8 bis 18 Euro je 290-Milliliter-Kartusche, dazu 8 bis 25 Euro für eine brauchbare Kartuschenpistole.
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Holzleim (PVAC) mit den Klassen D2, D3, D4
Stärke: Auf Holz ist eine gute Leimfuge fester als das Holz selbst – vorausgesetzt, der alte Leim ist restlos entfernt und es wird mit Zwingen gepresst. Holzleim ist wasserbasiert, geruchsarm und im nicht ausgehärteten Zustand mit einem feuchten Tuch abwischbar. Die Klassen: D2 für dauerhaft trockene Innenräume, D3 für Feuchträume wie Küche und Bad, D4 für den Außenbereich. Für Reparaturen ist D3 der praktikable Allrounder. Grenzen: Ohne Pressdruck keine Festigkeit; auf altem, glasigem Leim haftet er nicht; Fehlstellen füllt er nicht. Preisspanne: 6 bis 12 Euro für 750 Gramm D3. Die Verleim-Technik Schritt für Schritt: Stuhl wackelt? Neu verleimen statt schrauben.
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Heißkleber – Fixieren statt Reparieren
Stärke: Schnell, sauber, lösemittelfrei und auf fast allem einsetzbar – hervorragend zum Fixieren von Kabeln, für Modellbau, Dekoration und Provisorien. Grenzen: Der Klebstoff ist ein Thermoplast und erweicht wieder: Standardsticks geben schon bei 60 bis 80 Grad nach, was ein Armaturenbrett im Sommer und die Rückseite mancher Geräte mühelos erreichen. Die Verbindung ist zäh, aber schwach, und sie altert. Es gibt Hochtemperatur- und Konstruktionssticks, die spürbar mehr aushalten – der Griff dazu lohnt sich, wenn Heißkleber öfter zum Einsatz kommt. Preisspanne: 15 bis 40 Euro für eine Pistole mit Temperaturregelung, 10 bis 20 Euro für ein Kilogramm Sticks.
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Die PP/PE-Falle – wenn gar nichts hält
Viele Alltagskunststoffe – Spielzeug, Vorratsbehälter, Clips, Getränkekisten, Gartenmöbel, Innenteile von Haushaltsgeräten – bestehen aus Polypropylen oder Polyethylen. Ihre Oberflächenenergie ist so niedrig, dass Klebstoffe die Fläche nicht benetzen: Der Tropfen perlt ab, und was zunächst hält, löst sich beim ersten kräftigen Griff. Das ist keine Frage der Produktqualität, sondern Physik – kein Kleber der Welt umgeht sie ohne Vorbehandlung.
Es gibt genau drei belastbare Wege. Erstens ein Klebeset aus Primer-Stift plus Cyanacrylat: Der Primer verändert die Oberfläche chemisch, danach haftet der Sekundenkleber. Zweitens das Kunststoffschweißen mit Heißluft und artgleichem Schweißdraht – die dauerhafteste Lösung, weil das Material selbst verbunden wird, die aber Übung verlangt. Drittens, und bei tragenden Teilen oft die ehrlichste Antwort: das Teil nachfertigen lassen oder gebraucht ersetzen. Mehr zur Kleberwahl an Kinderspielzeug lesen Sie unter Spielzeug reparieren, die allgemeine Klebetechnik unter Richtig kleben.
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Leistungsklassen: was mehr Anschaffungspreis wirklich bringt
Bei Klebstoffen ist der Zusammenhang zwischen Preis und Nutzen erfreulich geradlinig – vorausgesetzt, man kauft den richtigen Typ. Die folgende Einordnung sagt, wo mehr Aufwand einen Unterschied macht und wo Sie für Eigenschaften zahlen, die im Haushalt nichts bringen.
| Klasse | Preisrahmen | Was sie leistet | Für wen |
|---|---|---|---|
| Einstiegsklasse | 3 bis 8 Euro je Produkt | Standard-Sekundenkleber, Alleskleber, D2-Holzleim, einfache Heißklebepistole. Für gelegentliche Reparaturen im Haus völlig ausreichend. | Wer wenige Male im Jahr klebt |
| Mittelklasse | 8 bis 20 Euro je Produkt | Hier liegt der eigentliche Gewinn: Gel-Formulierungen, Aktivator-Sets, 2K-Epoxid mit Mischdüse, D3-Leim, MS-Polymer. Bessere Dosierung, längere Haltbarkeit nach dem Anbruch, verlässlichere Fugen. | Wer regelmäßig repariert – die Empfehlung für die meisten |
| Fachhandwerk | ab 20 Euro je Produkt | Konstruktionsklebstoffe, 50-Milliliter-Kartuschen mit Dosierpistole, Hochtemperatur- und Spezialsysteme mit Prüfzeugnissen. | Wer täglich klebt oder eine dokumentierte Eignung braucht |
Die ehrliche Einordnung: Ab der Fachhandwerksklasse zahlen Sie überwiegend für Gebindegröße, Dosiertechnik und dokumentierte Prüfwerte. Im Haushalt bringt das nichts – eine 300-Milliliter-Kartusche Konstruktionsklebstoff härtet aus, lange bevor sie verbraucht ist. Die Mittelklasse in kleinen Gebinden ist für Reparaturen die substanziell richtige Wahl.
Einsatzfall und passende Ausstattung
Gelegentlich, ein Regalbrett im Jahr
Eine Tube Sekundenkleber-Gel und eine Doppelspritze 2K-Epoxid decken fast jeden Haushaltsfall ab. Zusammen unter 15 Euro, und beides liegt zwei Jahre in der Schublade, ohne Schaden zu nehmen.
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Regelmäßig, Möbel und Geräte
Dazu kommen D3-Holzleim, ein Zwingen-Set, ein PU- oder Kontaktkleber und Isopropanol zum Entfetten. Das ist die Ausstattung, mit der an einem Samstag drei Reparaturen fertig werden statt einer.
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Haus, Werkstatt, Fahrzeug
Hier lohnt die MS-Polymer-Kartusche mit Pistole: Sie klebt Leisten, dichtet Fugen, verbindet Metall mit Kunststoff und übersteht Witterung und Vibration.
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Wenn Kleben nicht die Lösung ist
Tragende Kunststoffteile in Geräten sind als Ersatzteil oft noch verfügbar. Suchen Sie mit dem Typenschild und der Modellnummer des Geräts – die Teilenummer selbst steht meist auf dem Bauteil.
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Worauf man beim Kleberkauf hereinfällt
- Die Kilogramm-Angabe auf der Packung. Hält 300 kg beschreibt eine Laborklebung mit großer Fläche unter reiner Scherbelastung. Ihre Bruchkante hat weder diese Fläche noch diese Lastrichtung. Die Zahl trennt Produktklassen, sie sagt nichts über Ihr Bauteil.
- Der Alleskleber als einzige Tube im Haus. Er hält auf vielem ein wenig und auf nichts richtig gut. Drei kleine Spezialtuben decken den Haushalt für ähnliches Geld deutlich verlässlicher ab.
- Das große Gebinde für den seltenen Bedarf. Angebrochener Sekundenkleber hält oft nur Monate, MS-Polymer-Kartuschen bilden im Auslauf eine Haut, PU-Kleber härtet durch eindringende Luftfeuchte in der Flasche aus. Was Sie nicht in absehbarer Zeit verbrauchen, entsorgen Sie später ungenutzt.
- Multipacks aus zehn Mini-Tuben. Verlockend im Regal, in der Praxis oft aus einer alten Charge und einzeln schlecht wiederverschließbar. Eine Tube mit vernünftigem Verschluss hält länger als zehn ohne.
- Zubehör, das man selten braucht. UV-Klebestifte werben mit sekundenschneller Aushärtung, funktionieren aber nur bei lichtdurchlässigen Werkstoffen und dünnen Fugen – im Alltag deutlich eingeschränkter, als die Verpackung vermuten lässt.
- Klebeband als Ersatz für eine Klebung. Gewebeband hält an Kunststoff hervorragend, bis es warm wird; dann bleibt der Kleber am Bauteil und das Band fällt ab. Für dauerhafte Verbindungen ist es keine Alternative, als Fixierhilfe während des Aushärtens dagegen sehr wohl.
- Lösemittelkleber an Polystyrol und Polycarbonat. Die Werkstoffe reagieren mit Spannungsrissen, die erst Tage später sichtbar werden – das Bauteil bricht dann neben der Klebestelle. Auf durchsichtigen Kunststoffen ist 2K-Epoxid oder ein ausdrücklich freigegebener Kleber die sichere Wahl.
Wann Sie gar keinen Kleber brauchen
Das ist der ehrlichste Teil dieser Kaufberatung, denn er spart Ihnen den Einkauf. In diesen Fällen ist Kleben nicht die richtige Antwort:
- Sicherheitsrelevante Teile. Leitern, Kindersitze, Helme, Fahrradrahmen, Gurte, Bremsteile und Gasführungen werden ersetzt, nicht geklebt. Eine Klebefuge lässt sich nicht prüfen – man sieht ihr nicht an, wie viel sie noch trägt.
- Wenn Material fehlt. Wo ein Stück Kunststoff verloren ging, fehlt die Klebefläche. Dann hilft Materialaufbau mit Aktivpulver, Kunststoffschweißen oder ein neues Teil – nicht mehr Kleber.
- Wenn eine mechanische Verbindung möglich ist. Eine Schraube, ein Blindniet, ein Winkel oder eine Lasche halten dauerhafter und lassen sich später wieder lösen. Wie man festsitzende Verbindungen aufbekommt, steht unter Festsitzende Schrauben lösen.
- Bei Textil und Leder. Eine Naht überlebt Waschgänge und Bewegung, eine Klebefuge tut das selten. Wie es geht, zeigt Kleidung flicken und stopfen.
- Wenn ein Standardteil vorhanden ist. Ein gebrochenes Möbelscharnier, eine Dichtung oder ein Kartuschenoberteil sind Normteile für wenige Euro. Der Tausch ist die substanziell bessere Lösung – siehe Topfscharnier finden und Dichtung finden.
- Wenn eine Werkstatt es besser kann. Bei Brillengestellen, Schmuck und Instrumenten ist Löten oder Schweißen die dauerhafte Reparatur; geklebte Brillenbügel halten selten lange, siehe Brille reparieren.
Lagerung, Haltbarkeit und Werterhalt
Klebstoffe sind Reaktionsprodukte – sie altern, auch ungenutzt. Mit ein paar Gewohnheiten halten sie ein Vielfaches länger:
- Kühl, trocken, stehend. Ein Regal im beheizten Wohnraum ist besser als die Garage. Frost schadet wasserbasiertem Holzleim dauerhaft, Hitze verkürzt die Lagerzeit aller Reaktionskleber.
- Sekundenkleber im Kühlschrank. In einem verschlossenen Beutel gelagert, hält eine angebrochene Tube deutlich länger. Vor dem Öffnen unbedingt auf Raumtemperatur kommen lassen, sonst kondensiert Feuchtigkeit an der Düse und startet die Aushärtung.
- Düsen sauber halten. Reste an der Tüllenspitze vor dem Verschließen abwischen. Bei Kartuschen eine Schraube in den Auslauf drehen – die Haut lässt sich beim nächsten Mal als Pfropfen herausziehen.
- Chargendatum beachten. Aufgedruckt ist meist ein Herstell- oder Mindesthaltbarkeitsdatum. Ein 2K-Epoxid, dessen Härter kristallisiert oder trüb geworden ist, mischt sich nicht mehr im richtigen Verhältnis und härtet klebrig aus.
- Entsorgung. Ausgehärtete Reste gehören in den Restmüll, flüssige Reaktionskleber und lösemittelhaltige Produkte zur Schadstoffsammlung – nicht in den Abfluss und nicht in den Hausmüll.
Sicherheit – kurz und verbindlich
- Lüften: Lösemittelhaltige Kleber, allen voran Kontaktkleber, nur in gut belüfteten Räumen und niemals in der Nähe offener Flammen verarbeiten.
- Haut und Augen: Nitrilhandschuhe bei allen 2K-Systemen – Epoxidharze und ihre Härter können dauerhaft sensibilisieren. Cyanacrylat verklebt Haut in Sekunden; bei Augenkontakt spülen und ärztlich abklären lassen.
- Wärmeentwicklung: Größere Mengen Cyanacrylat auf Baumwolle oder Wolle können sich stark erhitzen. Nicht über Stoffhandschuhen und nicht auf dem Schoß arbeiten.
- Heißkleber: Die Düse erreicht deutlich über 150 Grad, und flüssiger Kleber auf der Haut kühlt langsam ab – das gibt echte Verbrennungen. Kinder nur unter Aufsicht damit arbeiten lassen.
- Kinder und Haustiere: Klebstoffe grundsätzlich unzugänglich lagern. Geklebte Kleinteile gehören nicht in Kinderhände, wenn das Teil verschluckbar ist.