Schritt 1: Werkstoff bestimmen – die Tabelle

Jede gute Klebung beginnt mit einer nüchternen Frage: Was klebe ich hier eigentlich? Bei Kunststoffen hilft das Recycling-Dreieck im Teil (Ziffern 2 und 4 = Polyethylen, 5 = Polypropylen – die schwierigen Fälle). Danach führt der Werkstoff zum Klebstofftyp:

Werkstoff / SituationPassender KlebstofftypWorauf es ankommt
Keramik, Porzellan, kleine Hartplastik-Brüche (passgenau)Sekundenkleber (Cyanacrylat)nur saubere, exakt passende Flächen – füllt keine Spalten, Fuge ist spröde
Metall, Stein, harte Kunststoffe, unebene Brüche, Lasten2K-Epoxidspaltfüllend und fest – anmischen nach Vorschrift, fixieren, lange aushärten lassen
Gummi, Leder, Schuhsohlen, große flexible FlächenKontakt- oder PU-Kleberbeidseitig auftragen, ablüften lassen, dann mit Druck fügen – Position sitzt sofort
Holz auf HolzHolzleim (PVAc, D2/D3)Pressdruck über Stunden ist Pflicht – Zwingen oder Spanngurt, nicht nur andrücken
Fugen, Abdichtungen, AusgleichSilikon / Montagekleberdichtet und verbindet elastisch – trägt aber keine strukturelle Last
PE / PP (wachsartige Alltagskunststoffe)Primer-System – oder nicht klebenohne Primer perlt jeder Kleber ab; tragende Teile besser nachfertigen
Basteln, Fixieren, ProvisorienHeißkleberschnell, aber schwach und wärmeempfindlich – keine dauerhafte Reparaturlösung

Schritt 2: Vorbereiten – die halbe Klebung

  1. Trocken zusammenstecken: Passen die Bruchflächen exakt? Fehlt ein Splitter? Jetzt planen, nicht wenn der Kleber offen ist.
  2. Entfetten: beide Flächen mit Isopropanol abwischen – Hautfett, Spülmittelfilm und Pflegemittel sind unsichtbare Trennschichten.
  3. Anrauen: glatte Flächen mit feinem Schleifpapier mattieren (nicht bei sichtbarem Porzellan-Bruch – dort zählt Passgenauigkeit).
  4. Fixierung bereitlegen: Zwingen, Klebeband, Gummibänder oder ein Spanngurt – erst die Fixierung macht aus Andrücken Pressdruck.
  5. Arbeitsplatz schützen: Unterlage, Handschuhe bei 2K und PU, gute Lüftung bei lösemittelhaltigen Klebern.

Schritt 3: Fügen, pressen, aushärten lassen

Kleber sparsam und vollflächig auftragen – eine dicke Kleberwurst ist keine stärkere Verbindung, sondern eine schwächere. Teile in einem Zug fügen (besonders bei Kontaktkleber sitzt die Position sofort), dann fixieren und in Ruhe lassen. Die wichtigste Zahl steht auf der Verpackung: Viele Kleber sind nach Minuten handfest, erreichen ihre Endfestigkeit aber erst nach 12–24 Stunden. Wer früher belastet, testet die Fuge in ihrer schwächsten Phase – und wundert sich über den „schlechten Kleber". Überquellende Reste bei Holzleim feucht abwischen, bei Epoxid nach dem Anhärten abschneiden.

Warum Klebungen versagen – die vier Fehlerbilder

Ehrliche Grenzen der Klebetechnik

Nicht alles ist ein Klebefall: Tragende und sicherheitsrelevante Teile (Leitersprossen, Kindersitz-Teile, Bremskomponenten), Verbindungen mit Lebensmittel- oder Spülmaschinenkontakt und Teile unter dauerhafter Hitze gehören nicht an den Klebetisch – hier sind Ersatzteil, Nachfertigung oder Fachbetrieb die substanzielle Lösung. Für alles andere gilt: Mit der richtigen Technik ist Kleben eine der schnellsten und ressourcenschonendsten Reparaturen überhaupt – vom Spielzeug bis zur Schuhsohle.

Ausrüstung

Der Klebe-Grundstock