Welches Schmiermittel wofür? Die Verwechslungs-Kaufberatung
Kaum ein Regal richtet mit dem falschen Griff so viel an wie das Schmiermittel-Regal. Kriechöl im Türschloss, Mineralölfett auf dem Kunststofflager, Silikon auf der Bremsscheibe, Kupferpaste neben dem Radsensor – in all diesen Fällen macht das Schmiermittel das Problem größer statt kleiner. Diese Kaufberatung sortiert die Mittel nach Anwendung, nennt jede Eigenschaft, die beim Kauf wirklich zählt, gibt nüchterne Preisspannen und benennt die Tabus so deutlich, dass sie haften bleiben.
Der Fehler, der fast allen passiert: Kriechöl als Schmiermittel
Wenn etwas quietscht, greifen die meisten Menschen zur Kriechöl-Dose. Das ist verständlich, denn sie steht in fast jedem Haushalt – und es ist in den meisten Fällen die falsche Dose. Kriechöle und Rostlöser sind auf eine einzige Aufgabe hin gebaut: mit sehr niedriger Viskosität in enge Spalte und unter Korrosionsschichten zu kriechen, Wasser zu verdrängen und Festsitzendes gangbar zu machen. Genau die Eigenschaften, die sie dafür brauchen, machen sie als Dauerschmierung untauglich.
Drei Dinge passieren nach dem Einsprühen. Erstens verflüchtigt sich der Trägeranteil, und zurück bleibt nur ein sehr dünner Ölfilm, der weder Last noch Zeit aushält. Zweitens löst und verdünnt das Kriechöl vorhandenes Fett und wäscht es aus der Lagerstelle – die Stelle ist nach einigen Wochen trockener als vor der Behandlung. Drittens bindet der verbliebene klebrige Rest Staub. Das erklärt das bekannte Muster: Es hilft für zwei Wochen, dann quietscht es wieder, und die Dose kommt erneut zum Einsatz. Die Lagerstelle wird dabei jedes Mal schlechter.
Die Regel, die alles vereinfacht: Kriechöl löst. Danach kommt das Mittel, das dauerhaft schmiert. Wer nur diesen einen Satz mitnimmt, hat den größten Teil dieser Kaufberatung verstanden.
Die Anwendungstabelle: Was wohin gehört
Das ist der Kern dieser Seite. Suchen Sie Ihre Anwendung, lesen Sie den passenden Schmierstoff ab – und lesen Sie besonders die letzte Spalte, denn dort steht, was an dieser Stelle Schaden anrichtet.
| Anwendung | Richtiger Schmierstoff | Warum | Tabu an dieser Stelle |
|---|---|---|---|
| Festgerostete Schraube lösen | Kriechöl / Rostlöser | Kriecht unter die Korrosionsschicht | Nicht als Dauerschmierung stehen lassen |
| Türscharnier aus Metall, belastet | Mehrzweckfett NLGI 2 | Bleibt unter Last an Ort und Stelle | Kriechöl – verflüchtigt sich in Wochen |
| Schließzylinder | Graphitpulver oder PTFE-Trockenspray | Trockenfilm bindet keinen Staub | Jedes Öl und jedes Fett – die Stifte verkleben |
| Fenster- und Türbeschlag (Dreh-Kipp) | Harzfreies Öl an Zapfen, Fett im Getriebe | Herstellerangabe im Beschlag-Beiblatt | Säure- und harzhaltige Mittel |
| Rollladen-Führungsschiene | Silikonspray | Kunststoffverträglich, trockener Film | Fett – bindet Staub in der Schiene |
| Kinderwagen-Gelenke und -Achsen | Silikonspray | Kein Materialangriff, wenig Schmutzbindung | Fett im Sandumfeld, Kriechöl auf Kunststoff |
| Koffer-Teleskop, Reißverschluss | Silikonspray oder PTFE-Trockenspray | Trocken, fleckt nicht auf Textil | Öl und Fett – dauerhafte Flecken |
| Fahrradkette | Kettenöl, nass oder trocken | Wirkt zwischen Rolle und Bolzen | Fett, Kriechöl, Speiseöl |
| Bremsen (Scheibe, Belag, Felgenflanke) | Gar nichts | Bremsen brauchen Reibung | Jedes Öl, jedes Silikon – Beläge sind danach Abfall |
| Bremssattel-Führungsbolzen | Ausgewiesenes Bremsenfett, gummiverträglich | Greift die Manschette nicht an | Mehrzweckfett, Kupferpaste |
| Nähmaschine, Feinmechanik | Harzfreies Nähmaschinenöl | Dünnflüssig, verharzt nicht, fleckt nicht | Mehrzwecköl, Kriechöl, Speiseöl |
| O-Ringe der Kaffee-Brühgruppe | Lebensmittelechtes Silikonfett | Kontakt zum Getränk möglich | Mehrzweckfett, Vaseline aus dem Bad |
| Armaturen- und Trinkwasser-Dichtungen | Trinkwassergeeignetes Silikonfett | Mineralöl lässt EPDM-Dichtungen quellen | Mineralölfett jeder Art |
| Garagentor-Rollen, Laufwerke | Mehrzweckfett NLGI 2 | Belastbar und standfest | Silikonspray unter hoher Flächenlast |
| Radnabe, Zentriersitz am Fahrzeug | Keramikpaste, hauchdünn | Hitzefest und nicht leitend | Kupferpaste nahe ABS-Sensoren und an Aluminium |
| Elektrische Steckkontakte | Kontaktspray, danach Polfett | Löst Oxid, schützt vor erneuter Korrosion | Graphit und Kupferpaste – beide leitfähig |
| Gummidichtungen an Türen und Kühlgeräten | Silikonspray oder Gummipflegestift | Hält das Elastomer geschmeidig | Mineralöl – lässt Gummi quellen |
| Kettensäge, Heckenschere | Sägeketten-Haftöl, Getriebefett am Nippel | Haftet bei hoher Umfangsgeschwindigkeit | Altöl – umweltschädlich und unzulässig |
| Kunststoff-Zahnräder in Geräten | Kunststoffverträgliches Silikon- oder PTFE-Fett | Kein Materialangriff am Polymer | Mineralölfett – begünstigt Spannungsrisse |
Die Kriterien beim Kauf – und woran Sie sie am Produkt erkennen
Sprühdosen tragen viele Superlative und wenige Zahlen. Diese Angaben entscheiden wirklich, und in der rechten Spalte steht, wo Sie sie finden.
| Eigenschaft | Warum sie entscheidet | Woran Sie sie erkennen |
|---|---|---|
| Konsistenz (NLGI-Klasse) | Bestimmt, ob das Fett stehen bleibt oder wegläuft | Angabe NLGI 2 für Standard, 0 und 00 für Getriebe, 3 für senkrechte Lager |
| Grundöl-Viskosität | Dünn für Feinmechanik, dick für hohe Last und langsame Bewegung | Zahl in mm²/s bei 40 Grad auf dem Datenblatt |
| Verdicker | Bestimmt Wasserbeständigkeit und Temperaturverhalten | Lithium als Standard, Calcium wasserfest, Polyharnstoff hochtemperaturfest |
| Tropfpunkt und Einsatzbereich | Obergrenze, bei der das Fett flüssig wird – die Dauergrenze liegt darunter | Zwei Angaben in Grad auf Dose oder Datenblatt |
| Nassfilm oder Trockenfilm | Entscheidet, wie viel Staub der Film bindet | Begriffe wie Trockenschmierung, PTFE-Trockenfilm, wachsartig |
| Materialverträglichkeit | Falsche Paarung lässt Elastomere quellen oder Kunststoffe reißen | Hinweise wie kunststoffverträglich, für EPDM geeignet, silikonfrei |
| Lebensmitteleignung | Nur registrierte Produkte dürfen mit Lebensmitteln in Kontakt kommen | Ausdrücklicher Hinweis auf eine Zulassung der Kategorie H1 |
| Elektrische Leitfähigkeit | Leitfähige Pasten verursachen Kriechströme und Sensorfehler | Graphit und Kupfer sind leitfähig, Keramik- und Silikonprodukte nicht |
| Harzfreiheit | Verharzende Öle legen Feinmechanik binnen Monaten lahm | Angabe harzfrei oder säurefrei, typisch bei Weiß- und Nähmaschinenölen |
| Applikationsform | Bestimmt, ob Sie die Stelle überhaupt erreichen | Sprühröhrchen oder Zweiwege-Kopf, Pinseldose, Tube, Kartusche für Fettpresse |
| Gebindegröße | Große Gebinde verderben nicht, aber sie stehen jahrelang herum | 100 bis 400 Gramm reichen im Haushalt über viele Jahre |
Was wenig aussagt: Werbeaussagen wie Hochleistung, Multifunktion oder für alle Fälle sind keine Eigenschaften. Ein Produkt, das angeblich alles kann, ist in der Regel ein Kriechöl – und damit für die meisten Schmieraufgaben das falsche Mittel. Die brauchbare Information steht klein auf der Rückseite oder im Sicherheitsdatenblatt.
Die Mittel im Einzelnen
Kriechöl und Rostlöser – Löser, keine Schmierung
Wofür: Festgerostete Schrauben, klemmende Metallmechanik, feuchte Zündanlagen, Wasserverdrängung nach dem Reinigen. Wie richtig: Einwirkzeit ist wichtiger als Menge – bei stark verrosteten Verbindungen mehrfach sprühen und über Stunden einwirken lassen, dazu leichte Schläge auf den Schraubenkopf, die den Rostspalt öffnen. Mehr dazu unter Festsitzende Schrauben lösen. Die drei Tabus: nie auf Kunststofflager, nie an Bremsen, nie in Schließzylinder. Preisspanne: 6 bis 12 Euro je 400-Milliliter-Dose; Produkte mit Zweiwege-Sprühkopf oder Röhrchen sind die praktikablere Wahl.
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Mehrzweck- und Lithiumfett – für Metall unter Last
Wofür: Metall-auf-Metall-Lagerstellen, Türscharniere, Garagentor-Rollen, Laufrollen, Radlager, Getriebe mit Schmiernippel. Überall dort, wo eine dauerhafte, belastbare Schmierung an Ort und Stelle bleiben soll. Worauf achten: NLGI 2 als Konsistenz, Lithium als Standardverdicker, Calcium wenn Wasser im Spiel ist. Wofür nicht: offene Stellen in sandiger Umgebung – dort bindet Fett den Sand zur Schleifpaste; ebenso Kunststoffzahnräder, wo ein kunststoffverträgliches Fett gehört. Preisspanne: 6 bis 14 Euro für die 400-Gramm-Dose, 5 bis 12 Euro für eine Kartusche zur Fettpresse.
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Silikonspray – der Kunststoff- und Gummi-Allrounder
Wofür: Kinderwagen-Gelenke, Rollladen-Führungen, Koffer-Teleskope, Schiebetüren, Fensterdichtungen, Gummidichtungen an Kühlgeräten und Autotüren gegen Festfrieren. Der Film ist materialverträglich und zieht wenig Schmutz. Passende Anleitungen: Kinderwagen reparieren, Koffer reparieren und Rollladengurt wechseln. Wofür nicht: hochbelastete Metalllager, Reibpaarungen wie Bremsen und Keilriemen sowie alle Flächen, die später lackiert, foliert oder verklebt werden. Preisspanne: 5 bis 12 Euro je 400-Milliliter-Dose.
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Lebensmittelechtes Silikonfett – für Dichtungen mit Kontakt
Wofür: O-Ringe und Führungen von Kaffeevollautomaten-Brühgruppen, Armaturen- und Kartuschendichtungen, Trinkflaschen- und Schnellkochtopf-Dichtringe. Überall dort, wo der Schmierstoff Lebensmitteln oder Trinkwasser begegnen kann. Worauf achten: ein ausdrücklicher Hinweis auf die Zulassungskategorie H1 – fehlt er, ist das Produkt für diesen Einsatz nicht vorgesehen. Zusätzlicher Grund für Silikon statt Mineralöl: EPDM-Dichtungen, wie sie in Sanitärarmaturen üblich sind, quellen unter Mineralöl auf und werden undicht. Passende Anleitungen: Mischbatterie-Kartusche finden und Dichtung finden. Preisspanne: 6 bis 15 Euro für 10 bis 100 Gramm – eine kleine Tube hält Jahre.
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PTFE und Graphit – trocken, wo Staub das Problem ist
Wofür: Schließzylinder werden ausschließlich trocken geschmiert – Graphitpulver sparsam in den Schlüsselkanal, Schlüssel mehrfach einführen und durchdrehen. PTFE-Trockensprays leisten Ähnliches an Führungen, Schubladenauszügen und Scharnieren, die staubunempfindlich bleiben sollen; sie hinterlassen nach dem Ablüften einen wachsartigen Gleitfilm. Wofür nicht: Graphit ist elektrisch leitfähig und hat an Elektronik und Steckkontakten nichts verloren; für hohe Flächenlast ist ein Trockenfilm zu schwach. Preisspanne: 4 bis 8 Euro für Graphitpulver, 8 bis 15 Euro für ein PTFE-Trockenspray.
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Kupfer- und Keramikpaste – Montagepasten, keine Schmiermittel
Wofür: Verbindungen, die hohen Temperaturen ausgesetzt sind und später wieder gelöst werden müssen – Auspuffschrauben, Bremsträger, Zentriersitze an Radnaben. Die Paste verhindert das Festbrennen und Kaltverschweißen, sie ist ausdrücklich keine Schmierung für bewegte Lagerstellen. Die Unterschiede: Kupferpaste ist metallisch und leitfähig. Keramikpaste ist nicht leitend, dafür geeignet in der Nähe von Sensoren und an Aluminium. Wofür nicht: Kupferpaste an Aluminiumbauteilen und Alu-Gewinden, weil Kupfer als edleres Metall Kontaktkorrosion fördert; in der Nähe von Raddrehzahl- und ABS-Sensoren, weil metallische Partikel das Signal stören; an elektrischen Kontakten und Steckern. Und niemals an einer Reibfläche der Bremse. Preisspanne: 6 bis 14 Euro für 100 Gramm Kupferpaste, 8 bis 18 Euro für 50 Gramm Keramikpaste.
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Fahrrad-Kettenöl – die Spezialdisziplin
Wofür: ausschließlich die Kette, und dort nur zwischen Rolle und Bolzen. Nass oder trocken: Nassschmierung haftet länger, taugt für Regen und lange Touren, zieht aber mehr Schmutz an. Trockenschmierung hinterlässt einen wachsartigen Film, läuft sauberer und will häufiger nachgelegt werden. Reihenfolge: erst reinigen, dann schmieren, dann außen abwischen – Öl auf Schmutz schmiert nur den Schmutz. Achten Sie auf die Kettenlängung, denn eine gelängte Kette frisst Ritzel und Kettenblätter: Fahrradkette wechseln. Und halten Sie jedes Öl von der Bremse fern, siehe Fahrradbremsen einstellen. Preisspanne: 8 bis 16 Euro je 100-Milliliter-Flasche.
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Nähmaschinen- und Feinmechaniköl
Wofür: Nähmaschinen, Uhrwerke, Schreibmaschinen, Modellbau, feine Gelenke. Es handelt sich um sehr dünnflüssige, klare Weißöle, die nicht verharzen und keine Textilflecken hinterlassen. Wie richtig: Nur die im Handbuch markierten Punkte ölen, ein einzelner Tropfen je Stelle, danach ein Stück Stoffrest durchnähen, um Überschuss aufzunehmen. Passend dazu: Nähmaschine näht nicht und Uhrbatterie und Armband wechseln. Wofür nicht: belastete Lagerstellen, Ketten, alles im Freien. Preisspanne: 4 bis 9 Euro je Tropfflasche mit 50 bis 100 Millilitern.
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Wo Silikon schadet und wo Kupferpaste schadet
Beide Mittel sind ausgezeichnet – an der falschen Stelle richten sie jedoch Schäden an, die deutlich teurer sind als das Produkt selbst. Deshalb hier ausdrücklich und getrennt:
Silikon: drei Stellen, an denen es nichts verloren hat
- Auf allem, was lackiert, foliert oder geklebt wird. Silikonreste verhindern die Haftung von Lack und Klebstoff und verursachen kraterförmige Störstellen. Sie sind kaum vollständig zu entfernen und wandern über Sprühnebel und Lappen durch die ganze Werkstatt. Wer selbst lackiert, hält Silikonspray konsequent aus dem Arbeitsbereich.
- Auf Reibpaarungen. Bremsscheiben, Bremsbeläge, Felgenflanken bei Felgenbremsen, Keilriemen und Riemenscheiben brauchen Reibung. Silikon macht genau die zunichte; ein Belag, der Silikon abbekommen hat, wird ersetzt, nicht gereinigt.
- Auf Trittflächen und Böden. Der Sprühnebel legt sich weiter aus, als man denkt, und erzeugt eine kaum sichtbare Rutschgefahr. Sprühen Sie deshalb gezielt mit Röhrchen oder auf ein Tuch, nicht großflächig in den Raum.
Kupferpaste: vier Stellen, an denen sie schadet
- An Aluminium. Kupfer ist das edlere Metall; im Kontakt mit Aluminium und Feuchtigkeit entsteht ein galvanisches Element, und das unedlere Aluminium korrodiert. An Alu-Gewinden und Alu-Bauteilen gehört stattdessen Keramikpaste oder eine ausdrücklich für Aluminium freigegebene Montagepaste.
- In der Nähe von Sensoren. Raddrehzahl- und ABS-Sensoren arbeiten magnetisch. Metallische Partikel aus der Paste können sich anlagern und das Signal stören – eine Fehlersuche, die deutlich aufwendiger ist als die Montage selbst.
- An elektrischen Kontakten. Kupferpaste leitet. An Steckern, Masseanschlüssen und Platinen begünstigt sie Kriechströme und Kurzschlüsse. Dort gehört Kontaktspray hin, danach ein dafür vorgesehenes Polfett – siehe Kontakte reinigen.
- Als Lagerschmierung. Montagepasten sind für den Zusammenbau gedacht, nicht für dauernde Bewegung unter Last. In einem Lager gehört Wälzlagerfett, in einem Gelenk Mehrzweckfett.
Leistungsklassen: wofür mehr Anschaffungspreis lohnt
| Klasse | Preisrahmen | Was sie leistet | Für wen |
|---|---|---|---|
| Einstiegsklasse | 4 bis 8 Euro je Dose | Einfaches Kriechöl, Standard-Silikonspray, Lithiumfett ohne Zusätze. Wenn Sie das richtige Mittel für die richtige Stelle wählen, reicht das im Haushalt vollständig aus. | Gelegentlicher Bedarf im Haus |
| Mittelklasse | 8 bis 18 Euro je Dose | Hier liegt der spürbare Gewinn: Zweiwege-Sprühköpfe mit Röhrchen, dokumentierte Materialverträglichkeit, Lebensmittelzulassung, definierte Temperaturbereiche. Weniger Verschwendung, weniger Fehlanwendung. | Wer regelmäßig repariert – die Empfehlung für die meisten |
| Fachhandwerk | ab 18 Euro je Produkt | Spezialfette mit Polyharnstoff-Verdicker, PFPE-Produkte für Sauerstoff- und Chemieumgebung, Kartuschensysteme, Datenblätter mit Freigaben. | Werkstatt, Instandhaltung, Sonderanwendungen |
Die ehrliche Einordnung: Anders als bei Werkzeug bringt teurer bei Schmierstoffen selten mehr Leistung, sondern vor allem passendere Eigenschaften. Ein Hochleistungsfett für 25 Euro ist im Türscharnier keinen Deut besser als das Mehrzweckfett für 8 Euro – aber ein lebensmittelechtes Silikonfett für 9 Euro ist an der Brühgruppe durch nichts zu ersetzen. Investieren Sie in die richtige Auswahl, nicht in die höhere Preisklasse.
Einsatzfall und passende Ausstattung
Grundausstattung Haushalt
Silikonspray, Kriechöl, Mehrzweckfett NLGI 2 und eine kleine Tube lebensmittelechtes Silikonfett. Rund 30 bis 45 Euro, und damit sind quietschende Türen, klemmende Rollläden, Dichtungen und Festgerostetes abgedeckt.
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Haus, Garten, Werkstatt
Dazu kommen PTFE-Trockenspray, Graphit fürs Schloss, Sägeketten-Haftöl und eine Fettpresse für Nippel an Heckenschere und Kettensäge.
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Fahrrad im Haushalt
Ein Kettenöl passend zum Wetter, ein Entfetter zum Reinigen und ein Lappen. Mehr braucht die Kettenpflege nicht – und alles davon bleibt konsequent von der Bremse fern.
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Wenn Schmieren nicht mehr hilft
Bei Spiel im Lager oder verschlissenem Zylinder ist der Tausch die Lösung. Nehmen Sie die Maße vom ausgebauten Teil ab, bei Geräten zusätzlich Typenschild und Modellnummer.
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Werkzeug zum Schmieren
Zwei Anschaffungen, die den Unterschied zwischen gezieltem Schmieren und Sprühnebel im Raum ausmachen.
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Worauf man beim Schmierstoffkauf hereinfällt
- Das Multifunktionsspray als Schmiermittel. Die bekannteste Dose der Welt ist ein Kriechöl und Wasserverdränger. Sie ist hervorragend darin – aber sie ist keine Dauerschmierung, und genau das steht auch nirgends auf der Dose.
- Superlative statt Zahlen. Hochleistung, extrem, Profi-Formel sind keine Eigenschaften. Brauchbar sind NLGI-Klasse, Temperaturbereich, Verdicker, Materialverträglichkeit und eine Zulassungsangabe.
- Das große Gebinde für den seltenen Fall. Eine Kilodose Fett steht zwanzig Jahre im Regal und wird zu einem Viertel verbraucht. 400 Gramm reichen im Haushalt über die halbe Lebenszeit eines Hauses.
- Sprühdosen ohne Röhrchen. Ohne Röhrchen oder Zweiwege-Kopf erreichen Sie das Scharnierinnere nicht, und der Rest verteilt sich auf Möbel, Boden und Kleidung. Achten Sie beim Kauf ausdrücklich darauf.
- Kupferpaste als Universalfett. Der auffällige Glanz verführt zum großzügigen Einsatz. Sie ist eine Montagepaste für Trennstellen unter Hitze, kein Lagerfett – und in der Nähe von Sensoren, Aluminium und Elektrik ist sie ein Risiko.
- Vaseline aus dem Badezimmer. Sie ist ein Mineralölprodukt, hat einen niedrigen Tropfpunkt und ist für Dichtungen mit Trinkwasser- oder Lebensmittelkontakt nicht vorgesehen. Für O-Ringe gehört Silikonfett hin.
- Altöl an der Sägekette. Es ist unzulässig, es wird beim Sägen vollständig in die Umwelt geschleudert, und es enthält Schwermetalle und Verbrennungsrückstände. Sägekettenöl ist genau dafür gemacht und biologisch abbaubar erhältlich.
Wann Sie gar nichts schmieren sollten
Der ehrlichste Abschnitt dieser Kaufberatung, denn er verhindert Schäden statt sie zu beheben:
- An Bremsen jeder Art. Scheibe, Belag, Felgenflanke und Trommel bleiben trocken und fettfrei. Was Öl abbekommen hat, wird ersetzt.
- An Antriebsriemen und Riemenscheiben. Ein quietschender Keilriemen ist zu locker oder verschlissen. Schmiermittel bringt ihn zum Rutschen, das Quietschen kommt zurück und der Riemen ist danach fällig.
- An Kupplungen und Reibbelägen aller Art. Dieselbe Logik: Was durch Reibung funktioniert, wird durch Schmierung funktionsunfähig.
- An Elektronik und Platinen. Dort gehören Kontaktreiniger und, wenn überhaupt, ein dafür ausgewiesenes Kontaktfett hin – niemals Graphit, Kupferpaste oder Silikonspray über Steckverbindern.
- An Sauerstoff führenden Armaturen. Öl und Fett können mit reinem Sauerstoff heftig reagieren. Diese Bauteile werden ausschließlich mit ausdrücklich sauerstofffreigegebenen Schmierstoffen behandelt oder gar nicht.
- Wenn Verschleiß die Ursache ist. Ein Scharnier mit Spiel, ein ausgeschlagenes Lager, eine gelängte Kette: Hier ist der Tausch die Lösung. Wie Sie ein schleifendes Türblatt richtig einstellen statt zu ölen, steht unter Zimmertür schleift, für Fenster unter Fenster einstellen und für Möbeltüren unter Scharnier einstellen.
Anwenden, lagern, aufbewahren
- Erst reinigen, dann schmieren. Schmierstoff auf Schmutz schmiert den Schmutz und schleift die Lagerstelle aus. Alten, verharzten Film mit Reiniger entfernen, abtrocknen lassen, dann neu schmieren.
- Sparsam dosieren. Mehr Fett schmiert nicht besser, es quillt heraus und bindet Staub. In ein Gleitlager gehört ein dünner Film, nicht eine Füllung.
- Gezielt auftragen. Sprühröhrchen aufstecken oder auf ein Tuch sprühen und damit auftragen. Das spart Material und verhindert Silikon an Stellen, an denen es später stört.
- Dosen richtig lagern. Kühl, trocken, nicht in der Sonne und nicht neben Heizquellen – Sprühdosen stehen unter Druck. Nach dem Gebrauch das Ventil kopfüber kurz freisprühen, dann verstopft es nicht.
- Fett prüfen statt wegwerfen. Abgesetztes Öl lässt sich durchrühren. Hart, krümelig oder ranzig gewordenes Fett gehört dagegen entsorgt, ebenso trüb gewordenes Feinmechaniköl.
- Entsorgung. Ölhaltige Lappen können sich selbst entzünden – nicht zusammengeknüllt liegen lassen, sondern ausgebreitet trocknen oder in einem geschlossenen Metallbehälter sammeln. Reste und Dosen gehören zur Schadstoffsammlung, nicht in den Hausmüll.
Die ehrliche Grenze
Schmieren behebt Schwergängigkeit durch Reibung – nicht durch Verschleiß. Ein ausgeschlagenes Lager, ein verschlissener Schließzylinder oder eine gelängte Kette werden mit keinem Mittel der Welt wieder neu. Ein verlässliches Erkennungsmerkmal ist die Haltbarkeit der Verbesserung: Wenn die Leichtgängigkeit nach dem richtigen Schmierstoff monatelang bleibt, war Reibung die Ursache. Kehrt sie nach Tagen zurück oder lässt sich an der Stelle Spiel ertasten, ist das Bauteil am Ende. Dann steht der Tausch an, nicht die nächste Dose – und in erstaunlich vielen Fällen ist das ein Normteil für wenige Euro, das ein ganzes Gerät weiterleben lässt.