Die fünf Größen auf einen Blick

Mit diesen fünf Angaben ist ein Topfscharnier eindeutig bestimmt – und zwar unabhängig davon, welcher Hersteller den ursprünglichen Beschlag geliefert hat. Nehmen Sie das alte Scharnier ab und arbeiten Sie die Tabelle von oben nach unten durch.

AngabeWo Sie sie ablesenTypische WerteWas passiert, wenn sie nicht stimmt
TopfdurchmesserTopf oder Bohrung in der Tür mit dem Lineal messen35 mm, seltener 26 mmScharnier passt gar nicht in die Bohrung
KröpfungAnschlagart der geschlossenen Tür bestimmengerade, mittel, großTür schlägt an oder steht ab – nicht justierbar
Öffnungswinkelam alten Scharnier, oft aufgedrucktetwa 110 Grad Standard, mehr für SonderfälleTür öffnet nicht weit genug, Auszüge klemmen
Montageplatte: BauformPlatte im Korpus ansehenKreuzplatte oder LinearplatteHöhenverstellung fehlt oder Arm sitzt nicht
Montageplatte: Aufbauhöheaufgeprägte Zahl auf der Platte0, 3, 6, 9 mmTür sitzt zu tief oder zu weit vorn
BefestigungsartHebel am Armende vorhanden?Clip oder verschraubtArm lässt sich nicht auf der Platte befestigen
TopfbefestigungBlick auf den Topfangeschraubt oder eingepresstTopf hält nicht in der Bohrung
Bohrbild im KorpusLochabstand an der Platte messenmeist 32-mm-Systemrasterneue Bohrungen nötig

Schritt 1: Das Scharnier abnehmen und den Topf messen

  1. Tür sichern. Bei zwei oder mehr Scharnieren die Tür beim Aushängen des letzten festhalten oder gegen einen Bücherstapel lehnen. Eine schwere Front, die beim Aushängen kippt, reißt am verbliebenen Scharnier das Material aus.
  2. Arm lösen. Bei Clip-Systemen den kleinen Hebel oder die Lasche am hinteren Armende drücken beziehungsweise anheben und den Arm nach oben abziehen. Bei Aufschraubsystemen die Schraube am Arm lösen.
  3. Topf ausbauen. Die zwei Schrauben in der Tür lösen und das Scharnier herausnehmen. Bei eingepressten Töpfen mit seitlichen Spreizdübeln vorsichtig hebeln.
  4. Topf messen. Lineal quer über den Topf oder über die freie Bohrung in der Tür legen und den Durchmesser ablesen. Bei Küchen- und Schrankmöbeln sind es fast immer 35 Millimeter, bei kleinen, dünnen oder älteren Möbeln gelegentlich 26.
  5. Türstärke notieren. Sie ist für die Auswahl relevant, weil sehr dünne Türen eigene Scharniere brauchen und weil die Kröpfung bei dicken Türen anders wirkt.
  6. Alles fotografieren. Das ausgebaute Scharnier auf ein Blatt Papier neben ein Lineal legen und von oben und von der Seite aufnehmen. Die Seitenansicht zeigt die Kröpfung am deutlichsten und ist beim Einkauf das wertvollste Bild.

Das Topfmaß ist die einzige Größe, die vollständig gesetzt ist: Es steckt als Bohrung in der Tür, und ein Scharnier mit anderem Durchmesser passt dort nicht hinein, ohne dass neu gebohrt werden müsste. Alle anderen Angaben lassen sich in gewissen Grenzen wählen – diese nicht.

Schritt 2: Die Anschlagart bestimmen – der entscheidende Punkt

Hier entstehen die meisten Fehlkäufe, und deshalb lohnt sich eine Minute Sorgfalt. Sehen Sie sich die geschlossene Tür von vorn an und beantworten Sie die Frage: Wo steht die Tür relativ zur Korpusseitenwand?

AnschlagartSo erkennen Sie sieBenötigte KröpfungWo sie vorkommt
Aufschlagend, auch vorliegendDie Tür liegt geschlossen vollständig vor der Korpusseite, von vorn ist keine Seitenwand sichtbargerader, ungekröpfter Armder häufigste Fall bei Küchenfronten
Halb aufschlagendZwei Türen teilen sich eine gemeinsame Mittelwand, jede verdeckt die Hälfte davonmittlere Kröpfungnebeneinanderliegende Schränke mit einer Trennwand
EinliegendDie Tür schließt bündig innerhalb des Korpus, die Seitenwände sind seitlich sichtbargroße KröpfungVitrinen, Einbaumöbel, klassische Schränke

Warum die Justierschrauben das nicht retten: Ein Topfscharnier hat drei Verstellungen für Seite, Tiefe und Höhe, aber ihr Verstellbereich liegt im Bereich weniger Millimeter. Der Unterschied zwischen den Kröpfungen beträgt ein Vielfaches davon. Mit zu geringer Kröpfung drückt die Tür beim Schließen gegen die Korpuskante und schlägt hart an – und jedes Anschlagen belastet die Verschraubung, bis das nächste Loch ausreißt. Mit zu großer Kröpfung steht die Tür seitlich ab und die Fuge wird unschön breit. Beides lässt sich nachträglich nur durch den Tausch gegen die richtige Kröpfung beheben.

Der schnellste Weg zur sicheren Bestimmung: Sehen Sie sich eine benachbarte Tür desselben Schranks an, die noch funktioniert, und vergleichen Sie deren Scharnierarm mit dem ausgebauten. Sind beide gleich, haben Sie Ihre Referenz.

Schritt 3: Die Montageplatte bestimmen

Die Montageplatte ist das im Korpus verschraubte Gegenstück, auf dem der Scharnierarm sitzt. Sie wird beim Ersatz oft übersehen und ist doch für zwei Dinge verantwortlich: für die Tiefenlage der Tür und für die Frage, ob der neue Arm überhaupt darauf passt.

Schritt 4: Öffnungswinkel, Dämpfung und Sonderfälle

Einbau und die typische Baustelle: ausgerissene Löcher

Der Wechsel selbst ist kurz: Topf einsetzen und verschrauben, Platte im Korpus befestigen, Arm aufclipsen oder verschrauben, dann über die Justierschrauben ausrichten. Wie das Einstellen im Detail funktioniert – und in welcher Reihenfolge Seite, Tiefe und Höhe an die Reihe kommen –, steht unter Scharnier einstellen und reparieren.

Die häufigste Komplikation sind ausgerissene Schraublöcher in der Spanplatte. Die Reparatur ist immer dieselbe: Loch auf den Durchmesser eines Riffeldübels aufbohren, Dübel mit Holzleim einsetzen, bündig abschneiden, vollständig aushärten lassen, mittig vorbohren und die Schraube ins volle Material setzen. Riffeldübel deshalb, weil die Rillen dem verdrängten Leim einen Weg lassen. Dieselbe Leimtechnik trägt auch beim Klassiker wackelnder Stuhl, und ausführlich beschrieben ist sie unter Ausgerissenes Bohrloch reparieren.

Was Sie nicht tun sollten: eine dickere oder längere Schraube eindrehen. Sie zerstört das geschwächte Material weiter und sprengt im ungünstigen Fall die Deckschicht der Platte ab – aus einem Loch wird dann eine Fehlstelle.

Ehrliche Grenze: Ist die Topfbohrung selbst ausgebrochen oder die Tür verzogen, hilft kein neues Scharnier. Ausgebrochene Topfbohrungen lassen sich mit einer Reparaturplatte überbrücken oder tragfähig auffüllen und neu bohren; eine verzogene Tür ist ein Fall für die Tischlerei. Und wenn mehrere Türen einer Zeile gleichzeitig hängen, liegt die Ursache meist im Korpus oder in der Aufhängung – dann bringt auch ein Satz neuer Scharniere keine dauerhafte Besserung.

Typische Fehlkäufe und wie Sie sie vermeiden

Ersatzteile und Werkzeug

Scharniere, Platten und Zubehör

Nehmen Sie die fünf Größen mit in die Suche: Topfdurchmesser, Kröpfung, Öffnungswinkel, Plattenbauform und Aufbauhöhe. Ohne sie bekommen Sie ein Teil, das aussieht wie das alte und anders sitzt.

Werkzeug und Material für den Einbau

Werkbank