Das passende Topfscharnier finden – Topfmaß, Kröpfung, System
Die Schranktür hängt schief, das Scharnier ist ausgeleiert oder gebrochen – und im Baumarkt wartet eine Wand voller ähnlich aussehender Topfscharniere. Dabei ist der Ersatz gut bestimmbar: Das Topfmaß gibt die Bohrung vor, die Türlage verrät die Kröpfung, und das alte Scharnier beantwortet den Rest. Diese Seite führt durch die drei Fragen, mit denen Sie das richtige Scharnier sicher greifen.
Schritt 1: Den Topf messen
Nehmen Sie die Tür ab oder lösen Sie das defekte Scharnier – bei Clip-Scharnieren rastet der Arm werkzeuglos von der Montageplatte aus, ältere Ausführungen sind verschraubt. Der runde Topf, der in der Türinnenseite sitzt, ist die wichtigste Größe: Bei Küchen- und Schrankmöbeln misst er fast immer 35 mm, bei kleinen oder älteren Möbeln gelegentlich 26 mm. Da die Bohrung bereits in der Tür sitzt, ist dieses Maß gesetzt – ein Lineal über der Öffnung genügt.
Schritt 2: Die Anschlagart bestimmen
| Anschlagart | So erkennen Sie sie | Benötigte Kröpfung |
|---|---|---|
| Aufschlagend (vorliegend) | Die Tür liegt geschlossen komplett vor der Korpusseite | gerader Arm (ungekröpft) |
| Halb aufschlagend | Zwei Türen teilen sich eine gemeinsame Korpusseite (Mittelwand) | mittlere Kröpfung |
| Einliegend | Die Tür schließt bündig innerhalb des Korpus | große Kröpfung |
Die Kröpfung ist die Biegung des Scharnierarms – und der häufigste Fehlkauf: Mit der falschen kollidiert die Tür beim Schließen mit dem Korpus oder steht sichtbar ab, und keine Justierschraube gleicht das aus. Ein Blick auf die geschlossene Nachbartür beantwortet die Frage in Sekunden.
Schritt 3: System, Öffnungswinkel und Dämpfung
- Arm und Montageplatte als Paar: Die Clip-Mechanik, mit der der Scharnierarm auf der Platte einrastet, ist zwischen den Herstellersystemen nicht genormt. Tauschen Sie im Zweifel Arm und Platte zusammen – die Korpusbohrungen folgen meist dem 32-mm-Raster, sodass neue Platten in die vorhandenen Löcher passen.
- Öffnungswinkel: Standard sind rund 110 Grad – für die meisten Schränke richtig. Weitwinkel-Ausführungen brauchen nur Eckschränke und Sondereinbauten; das alte Scharnier zeigt, was verbaut war.
- Dämpfung: Soft-Close gibt es integriert im Scharnier oder als kleinen Nachrüst-Dämpfer für den vorhandenen Arm – Letzteres ist der kleinste Eingriff gegen laut zufallende Türen.
- Der sichere Weg: altes Scharnier abnehmen, fotografieren und zum Vergleich mitnehmen bzw. mit den Produktbildern abgleichen – Topfmaß, Kröpfung und Plattenform sind auf einen Blick vergleichbar.
Einbau und die typische Baustelle: ausgerissene Löcher
Der Wechsel selbst ist kurz: Topf einsetzen und verschrauben, Platte im Korpus befestigen, Arm aufclipsen, dann über die Justierschrauben ausrichten – wie das Einstellen im Detail funktioniert, zeigt unser Guide Scharnier einstellen und reparieren. Häufigste Komplikation sind ausgerissene Schraublöcher in der Spanplatte: aufbohren, Holzdübel mit Leim einsetzen, vollständig trocknen lassen, neu vorbohren. Dieselbe Leim-Technik trägt auch beim Klassiker wackelnder Stuhl.
Ehrliche Grenze: Ist die Topfbohrung selbst ausgebrochen oder die Tür verzogen, hilft kein neues Scharnier – das ist ein Fall für die Tischlerei. Und ältere Möbel mit Zapfen- oder Fitschenbändern sind ein anderes System, für das diese Seite nicht gilt.
Ersatzteile & Werkzeug
Teilequellen
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