Wie das Bosch-System meldet – und was die Zahl nicht sagt

Die Komponenten des E-Bike-Systems überwachen sich fortlaufend gegenseitig. Erkennt eine davon eine Abweichung, erscheint auf dem Bordcomputer eine dreistellige Nummer, und je nach Schwere wird die Unterstützung reduziert oder abgeschaltet. Diese Nummer nennt zuverlässig den Bereich: Bedieneinheit, Antrieb und Sensorik, Akku und Ladegerät. Sie nennt aber nicht die einzelne Ursache – hinter einer 500 kann eine ganze Reihe unterschiedlicher interner Befunde stehen, die erst das Diagnosegerät des Fachhändlers auseinanderhält.

Wichtig für die Zuordnung ist die Systemgeneration. Die dreistelligen Codes dieser Übersicht stammen aus den Systemen mit den Bordcomputern Purion, Intuvia, Kiox und Nyon. Beim neueren smart system laufen Meldungen zusätzlich über die eBike-Flow-App und erscheinen dort teils als längere, mehrstellige Codes. Verbindlich ist in beiden Fällen die Betriebsanleitung Ihres Systems – die Bedeutungen in den folgenden Tabellen folgen wörtlich der Fehlercode-Tabelle aus der Bosch-Bordcomputer-Betriebsanleitung. Die dritte Spalte ist unsere Einordnung: was Sie daraus gefahrlos selbst prüfen können.

Praktisch heißt das: einordnen, die gefahrlosen Prüfschritte erledigen, und mit einer präzisen Beschreibung in die Werkstatt gehen, wenn es einer ist, der dorthin gehört. Genau dafür sind die folgenden Tabellen sortiert.

Bedieneinheit und Bordcomputer: die 4er-Codes

Diese Gruppe betrifft alles, was Sie bedienen und ablesen – Tasten, Display, Halterung und die Verbindungen dorthin. Sie enthält mehrere der wenigen Codes, die Sie tatsächlich selbst aus der Welt schaffen.

CodeBedeutung laut BetriebsanleitungWas Sie selbst prüfen können
410Eine oder mehrere Tasten des Bordcomputers sind blockiertSelbsthilfe: Tasten auf Verschmutzung und Verkanten ansehen, vorsichtig reinigen und trocknen lassen
414Verbindungsproblem der BedieneinheitHalterung und Steckkontakte sichten, Bordcomputer abnehmen und sauber wieder aufsetzen; bleibt es, Verbindungen prüfen lassen
418Eine oder mehrere Tasten der Bedieneinheit sind blockiertSelbsthilfe: wie 410 – Tasten reinigen und trocknen
419KonfigurationsfehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
422Verbindungsproblem der AntriebseinheitVerbindungen prüfen lassen – Fachhändler
423Verbindungsproblem des AkkusDie Anleitung sagt: Verbindungen prüfen lassen. Ein Blick auf Akkusitz und Kontakte ist vorher trotzdem sinnvoll
424Kommunikationsproblem der Komponenten untereinanderVerbindungen prüfen lassen – Fachhändler
426Interner ZeitüberschreitungsfehlerSelbsthilfe: System neu starten; bleibt der Code, Fachhändler
430Interner Akku des Bordcomputers ist leerSelbsthilfe: Bordcomputer in der Halterung mitladen oder – wo vorgesehen – über den USB-Anschluss laden
431SoftwareversionsfehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
440Interner Fehler der AntriebseinheitNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
450Interner SoftwarefehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
460Fehler am USB-AnschlussSelbsthilfe: Kabel vom USB-Anschluss des Bordcomputers abziehen
490Interner Fehler des BordcomputersBordcomputer prüfen lassen – Fachhändler

Antrieb und Sensorik: die 5er-Codes

Hier steht der meistgesuchte Bosch-Code überhaupt – und zugleich der, der sich am häufigsten in fünf Minuten erledigt.

CodeBedeutung laut BetriebsanleitungWas Sie selbst prüfen können
500Interner Fehler des ElektromotorsNeustart; bleibt der Code, Fachhändler mit Diagnosegerät
502Fehler in der FahrradbeleuchtungSelbsthilfe: Leuchten und zugehörige Verkabelung ansehen, Stecker prüfen, Neustart
503Fehler des GeschwindigkeitssensorsSelbsthilfe: Neustart; prüfen, ob der Magnet fest an einer Speiche des Hinterrads sitzt und in der richtigen Entfernung an der Markierung des Sensors vorbeiläuft (Standardsensor 5 bis 17 mm, schmaler Sensor 2 bis 8 mm)
504Manipulation des Geschwindigkeitssignals erkannt – die Unterstützung des Antriebs wird verringertSelbsthilfe: Position des Speichenmagneten prüfen und einstellen, auf Tuning prüfen. Siehe 504 im Detail
510Interner SensorfehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
511Interner Fehler des ElektromotorsNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
530AkkufehlerSelbsthilfe: System ausschalten, Akku entnehmen und wieder einsetzen, neu starten
531KonfigurationsfehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
540Temperaturfehler – das E-Bike ist außerhalb des zulässigen TemperaturbereichsKein Defekt: System ausschalten und den Antrieb abkühlen bzw. aufwärmen lassen, danach neu starten
550Ein unzulässiger Verbraucher wurde erkanntSelbsthilfe: angeschlossenes Zubehör entfernen, System neu starten
580SoftwareversionsfehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
591AuthentifizierungsfehlerSelbsthilfe: System ausschalten, Akku entnehmen und wieder einsetzen, neu starten
592Inkompatible KomponenteKompatibles Display verwenden – sonst Fachhändler
593KonfigurationsfehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
595 / 596KommunikationsfehlerDie Anleitung nennt hier ausdrücklich die Verkabelung zum Getriebe: sichten (nur Sichtprüfung), Neustart; bleibt der Code, Fachhändler

Akku, Ladegerät und der Rest der Tabelle

Diese Gruppe verlangt die meiste Zurückhaltung. Zwei Codes sind Temperatur- und Verbindungsthemen, die übrigen 6er melden das Innenleben des Akkupakets – und dort endet die Eigenarbeit. Am Ende stehen die drei Zeilen, die gar nicht zum Akku gehören: die Schaltung, das ABS und der Fall ganz ohne Anzeige.

CodeBedeutung laut BetriebsanleitungWas Sie selbst prüfen können
602Interner Akkufehler – auch im Zusammenhang mit dem LadenBeim Laden: Akku und Ladegerät trennen, System neu starten, beides wieder verbinden. Sonst: Neustart, dann Fachhändler
603Interner AkkufehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
605Akku-Temperaturfehler – der Akku ist außerhalb des zulässigen TemperaturbereichsKein Defekt: System ausschalten, Akku abkühlen bzw. aufwärmen lassen, erst danach laden oder fahren
606Externer AkkufehlerVerkabelung und Kontakte sichten, Neustart; bleibt der Code, Fachhändler
610Akku-SpannungsfehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
620Fehler des LadegerätsLadegerät ersetzen – über den Fachhändler, immer systemgleich
640Interner AkkufehlerNeustart; bleibt der Code, Fachhändler
655Mehrere Akkufehler gleichzeitigSystem ausschalten, Akku entnehmen und wieder einsetzen, neu starten; bleibt der Code, Fachhändler
656SoftwareversionsfehlerFachhändler – dort wird ein Software-Update aufgespielt
7xxGetriebefehler – also die Schaltung, nicht der AntriebBetriebsanleitung des Schaltungsherstellers heranziehen
800 bis 890ABS-Gruppe: interne ABS-Fehler, Leitungs- und Signalfehler an den Radgeschwindigkeitssensoren, fehlende oder falsch montierte Sensorscheibe, stark unterschiedliche Reifendurchmesser vorn und hintenNur bei Rädern mit eBike-ABS. Bei den Signalcodes sieht die Anleitung einen Neustart und mindestens zwei Minuten Probefahrt vor – die ABS-Kontrollleuchte muss danach erlöschen. Sonst Fachhändler
keine AnzeigeInterner Fehler des BordcomputersSelbsthilfe: System aus- und wieder einschalten

Akku ohne Display: die Blinkbilder der Ladestandsanzeige

Nicht jede Meldung erscheint als Zahl. Zeigt der Bordcomputer nichts oder ist gar keiner am Rad, meldet sich der Akku selbst über die Leuchtdioden seiner Ladestandsanzeige. Die Anleitung beschreibt dafür zwei Blinkbilder und mehrere Fälle, in denen beim Laden gar nichts leuchtet.

504 im Detail: erkannte Manipulation des Geschwindigkeitssignals

504 gehört zu den meistgesuchten Bosch-Codes und wird am häufigsten missverstanden. Die Betriebsanleitung ist hier ungewöhnlich ausführlich: Als Ursache nennt sie eine erkannte Manipulation des Geschwindigkeitssignals, als Abhilfe die Position des Speichenmagneten prüfen und gegebenenfalls einstellen sowie auf Manipulation (Tuning) prüfen. Und sie nennt die Folge: Die Unterstützung des Antriebs wird verringert. Deshalb erscheint 504 typischerweise nicht als Ausfall, sondern als Rad, das plötzlich zäh geworden ist.

Der entscheidende Punkt für die eigene Suche: Das System bewertet das Signal, nicht die Absicht. Ein Speichenmagnet, der zu weit weg sitzt, verdreht ist, an der falschen Speiche hängt oder nicht zum Sensor gehört, liefert dieselbe Unplausibilität wie ein Eingriff in die Abregelung. Behandeln Sie 504 deshalb zuerst wie eine 503: Sitz, Ausrichtung, Abstand und Sauberkeit von Magnet und Sensor prüfen, Rad drehen, System neu starten. Verschwindet die Meldung, war es Mechanik. Bleibt sie, gehört das Rad zum Fachhändler – und zwar bevor auf Verdacht ein Sensor oder gar der Antrieb ersetzt wird.

Zur Rechtslage bleibt es klar: Manipulationen an der Abregelung sind im öffentlichen Straßenverkehr unzulässig, und ein so verändertes Rad ist versicherungsrechtlich kein Fahrrad mehr. Wurde am Rad einmal getunt, gehört das beim Fachhändler offen auf den Tisch – der Fehlerspeicher zeigt es ohnehin.

Codes, die gar keinen Defekt melden

Ein Teil der Ratlosigkeit entsteht dadurch, dass Schutzfunktionen wie Schäden aussehen. Diese vier Meldungen sind Meldungen und keine Befunde – wer das weiß, spart sich den Werkstatttermin.

Die gefahrlosen Prüfschritte – in dieser Reihenfolge

  1. Neustart. System über die Gerätetaste ausschalten, etwa zehn Sekunden warten, wieder einschalten. Das ist bei nahezu jeder Meldung der erste Schritt der Betriebsanleitung – und er löst mehr Codes als jede andere Maßnahme.
  2. Akku entnehmen und sauber einsetzen. Kontakte auf beiden Seiten sichten: trocken, sauber, unbeschädigt? Dann einsetzen, bis er hörbar verriegelt. Gereinigt wird trocken oder vorsichtig feucht – keine Fette und keine Sprays ohne ausdrückliche Freigabe des Herstellers. Das Vorgehen im Detail steht unter Kontakte reinigen.
  3. Bordcomputer und Halterung. Display abnehmen, Kontaktflächen ansehen, wieder aufsetzen, Halterung auf festen Sitz prüfen. Ein Wackelkontakt an der Halterung erzeugt wechselnde Meldungen, die scheinbar ohne Muster kommen und gehen.
  4. Speichenmagnet und Sensor. Der Magnet gehört fest an eine Speiche des Hinterrads und muss bei jeder Umdrehung an der Markierung des Sensors vorbeilaufen. Der Abstand hängt vom verbauten Sensor ab: Für den Speedsensor in Standardausführung nennt die Anleitung mindestens 5 und höchstens 17 Millimeter, für den schmalen Speedsensor mindestens 2 und höchstens 8 Millimeter. Stimmt der Abstand nicht oder ist der Sensor nicht richtig angeschlossen, fällt laut Anleitung die Tachometeranzeige aus und der Antrieb arbeitet im Notlaufprogramm – genau das Bild, das viele für einen Motorschaden halten. Lösen Sie in diesem Fall die Schraube des Speichenmagneten und richten Sie ihn neu aus, befreien Sie beide Flächen von Schmutz und Metallspänen. Nach jedem Radausbau ist das der erste Blick – und achten Sie dabei darauf, Sensor und Sensorhalterung nicht zu beschädigen.
  5. Angeschlossenes Zubehör abklemmen. Nachgerüstete Lampen, USB-Adapter und Zubehör am Licht- oder Zubehöranschluss sind die typischen Auslöser für 550 und gelegentlich 502.
  6. Temperatur abwarten. Bei 540 und 605 ist Geduld die vorgesehene Maßnahme. Ein warm gefahrener Antrieb braucht nach der Auffahrt einige Minuten, ein kalter Akku im Winter deutlich länger im Warmen.
  7. Notieren statt raten. Bleibt der Code, halten Sie fest: Nummer, Situation (beim Anfahren? bergauf? beim Laden? nach Regen?), was Sie bereits erledigt haben und ob der Code reproduzierbar wiederkehrt. Diese vier Angaben verkürzen die Diagnose beim Fachhändler spürbar.

Die Ampel: welcher Code ist Selbsthilfe, welcher nicht

CodegruppeBeispieleEinordnungWarum
Tasten und Bedienung410, 418SelbsthilfeReinigungsthema, kein Bauteildefekt
Akkusitz und Kontakte530, 591, 655SelbsthilfeEntnehmen und Wiedereinsetzen ist ausdrücklich vorgesehen (bei 655 als erster Schritt vor dem Fachhändler)
Geschwindigkeitssensor503, 504SelbsthilfeMagnet und Sensor sind von außen zugänglich und justierbar; bei 504 nennt die Anleitung das Einstellen selbst als Abhilfe
Beleuchtung und Zubehör502, 550SelbsthilfeSichtprüfung und Abklemmen genügen zur Eingrenzung
Temperatur540, 605Kein DefektSchutzfunktion – die Maßnahme heißt warten
Bordcomputer-Energie430SelbsthilfeInterne Zelle des Displays, lädt in der Halterung mit
Verbindungen im System414, 422, 423, 424, 595, 596, 606BedingtSichtprüfung ja, Eingriff in den Kabelbaum nein – die Anleitung sagt hier: Verbindungen prüfen lassen
ABS800 bis 890BedingtNeustart und Probefahrt sind vorgesehen, alles Weitere ist Bremsentechnik
Interne Motor- und Sensorfehler440, 490, 500, 510, 511FachhändlerDer vollständige interne Code ist nur mit Diagnosegerät lesbar
Software und Konfiguration431, 450, 531, 580, 592, 593, 656FachhändlerAufspielen und Konfigurieren ist dem Diagnosezugang vorbehalten
Akku-Innenleben602, 603, 610, 640, zwei blinkende AnzeigenFachhändlerDas Gehäuse ist kein Wartungsteil – Brandrisiko

Die Sicherheitsgrenze am Akku – ohne Ausnahme

Kein Fehlercode der Welt rechtfertigt, ein Lithium-Akkupaket zu öffnen. Und kein auffälliger Akku wird noch einmal geladen, um zu sehen, ob es doch geht.

Typische Folgefehler – was beim Selbermachen schiefgeht

Abbruchkriterien: woran Sie erkennen, dass hier Schluss ist

Was der Fachhändler anders macht – und was Sie ihm mitgeben

Der Fachhändler liest mit dem Bosch-Diagnosegerät nicht nur die dreistellige Anzeige, sondern den vollständigen internen Code samt Fehlerspeicher: wie oft die Meldung auftrat, in welcher Reihenfolge und unter welchen Bedingungen. Das trennt den einmaligen Aussetzer vom stehenden Fehler und entlarvt Folgefehler als solche – ein Kommunikationscode nach einem Akkucode ist meist keine zweite Ursache, sondern die Folge der ersten. Dazu kommt der Software-Stand: Ein Teil der hartnäckigen Meldungen verschwindet mit einem Update, ohne dass ein Bauteil getauscht wird.

Damit dieser Vorteil greift, geben Sie vier Angaben mit: den genauen Code, die Systembezeichnung und das Modelljahr (steht auf Motor und Akku), die bereits erledigten Prüfschritte und die Beobachtung, ob der Code sofort, verzögert oder nur unter Last wiederkehrt. Ein Anruf mit diesen vier Angaben führt zu einer gezielten Diagnose. Ein Anruf mit der Aussage, das Rad gehe nicht mehr, führt zu einer Suche, die Sie bezahlen und die diese Seite bereits zur Hälfte erledigt hat.

Für den Werterhalt zahlt sich das doppelt aus: Wer die Codes einordnen kann, tauscht nicht das teuerste Bauteil auf Verdacht – und kauft erst recht kein neues Rad, weil eine Zahl im Display stand. Warum sich der Erhalt eines guten Rades fast immer rechnet, steht unter Reparieren und Nachhaltigkeit.

Ersatz & Zubehör

Teilequellen

Der Speichenmagnet ist das einzige Teil dieser Seite, das Sie sinnvoll selbst nachkaufen – alles Übrige läuft über den Fachhandel.

Original-Akkus, Ladegeräte, Displays und Antriebsteile beziehen Sie über den Bosch-Fachhandel – dort gehört auch der Einbau hin. Worauf es bei Akkus generell ankommt, steht in der Ersatzakku-Kaufberatung.

Ehrlich bleibt ehrlich: Von den Codes dieser Seite lösen Sie einen guten Teil selbst – und das sind zufällig die, die am häufigsten auftreten. Der Rest ist Diagnose, und dabei ist der Fachhändler nicht der Gegner, sondern der Einzige mit dem vollständigen Bild. Die gesamte stromlose Mechanik bleibt ohnehin Ihre Werkbank: Bremsen, Schaltung, Kette und Reifen.

Werkbank